Ex-Uno-Waffeninspektor Scott Ritter schreibt, warum er kein Freund Israels mehr sein könne. Eine Entgegnung
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Ex-Uno-Waffeninspektor Scott Ritter schreibt, warum er kein Freund Israels mehr sein könne. Eine Entgegnung

Scott Ritter, ein früherer Waffeninspektor der Uno, teilte am 14. Oktober den Lesern seines Blogs mit, warum er kein Freund Israels mehr sein könne.

Anlass dieser Mitteilung war der tausendfache mörderische Überfall, den Terroristen der Hamas auf wehrlose Einwohner Israels verübt hatten, angefangen mit Säuglingen und Kindern bis zu den Alten und Ältesten. Offenbar wollte die Redaktion der Weltwoche dem guten Grundsatz folgen, dass auch die Gegenstimme zu hören sei, und so kam Ritters Text auf die Weltwoche-Netzseite.

MICHEL EULER / KEYSTONE
Former UN weapons inspector in Iraq Scott Ritter speaks during a press conference in Paris, Thursday April 11, 2002
MICHEL EULER / KEYSTONE

In seinem ellenlagen Beitrag zeichnet Ritter ein schmeichelhaftes Bild seiner selbst und lässt den Leser teilhaben an seiner Laufbahn als Offizier der Marines und an seiner mutigen und aufopferungsvollen internationalen Tätigkeit.

Prall ausgestopft mit der Autorität eines Helden und Kenners der Verhältnisse spricht Ritter sein Urteil, «dass das einzige wahre Opfer in der israelischen Geschichte das palästinensische Volk» sei. Das schreibt er, kurz nachdem auf dem Gebiet des israelischen Staates ein Pogrom gewütet hat, eines Staates, der gegründet wurde, um seine Bürger vor Pogromen zu schützen.

«Die Juden sind an allem schuld!» dichtete 1931 der Musiker und Satiriker Friedrich Hollaender: «Ob es regnet, ob es hagelt, ob es schneit oder ob es blitzt, / ob es dämmert, ob es donnert, ob du frierst oder ob du schwitzt, / ob es schön ist, ob’s bewölkt ist, ob es taut oder ob es giesst, / ob es rieselt, ob es nieselt, ob du hustest, ob du niest: / an allem sind die Juden schuld, die Juden sind an allem schuld.»

Hollaender, jüdischer Herkunft, musste Deutschland 1933 verlassen und entkam so der Vernichtung. Dass die Juden auch schuld daran sind, dass man sie ermordet, darauf fand Hollaender keinen Reim, darüber wurde die Weltöffentlichkeit von der obersten Stelle unterrichtet. Der «Führer und Reichskanzler» Adolf Hitler in Person grölte am 30. Januar 1939 in einer Sitzung des Reichstages: «Wenn es dem internationalen Finanzjudentum inner- und ausserhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.»

Am 16. November 1941 schrieb der «Reichsminister» Joseph Goebbels in der Wochenzeitung Das Reich: «Wir erleben eben den Vollzug dieser Prophezeiung, und es erfüllt sich damit am Judentum ein Schicksal, das zwar hart, aber mehr als verdient ist.»

Werfen wir einen Blick auf den Vollzug: Oswald Kaduk, einer der uniformierten Täter von Auschwitz, rühmte, «wie angenehm es sei, wenn man nackte Frauen in die Gaskammer drängt und ihnen dabei an die Brust greift», so die Aussage eines Ohrenzeugen beim Frankfurter Auschwitz-Prozess.

Otto Moll, Chef der Auschwitzer Krematorien, nahm einer Mutter ihr Kind weg und warf es in einen Graben, in dem sich kochendes Fett sammelte. Das Fett stammte von Leichen, die in Gruben verbrannt wurden. Nach diesem Mord sagte Moll: «Jetzt esse ich mich satt, jetzt habe ich meine Pflicht erfüllt.»

Hermann Langbein, selber ein Überlebender, berichtet das in seinem Buch «Menschen in Auschwitz». Er fügt an, man solle es sich nicht so leichtmachen, die Täter «als Monstren, Teufel, Abartige abzutun». Die grosse Frage ist tatsächlich, wie Menschen dazu kommen, das zu tun, was sie 1940 bis 1945 in Auschwitz und am 7. Oktober 2023 in Israel taten.

Scott Ritter wirft sich in der Pose des Zerknirschten vor, er habe die Hamas gehasst, statt zu hassen, was die Hamas in die Lage versetzte, die Verbrechen zu begehen. Schuld ist für ihn also das Opfer. Gegen diese These, der jeder Mörder eifrig zustimmen wird, sei eine andere gestellt: Eine Gruppe, die von Machtgier und Wahnvorstellungen getrieben wird, überzeugt und überwältigt eine ganze Gesellschaft. Statt die eigene Lage mit echter Arbeit zu verbessern, jagen die Menschen nun Sündenböcke. Die Mehrheit muss zustimmen und gewähren lassen. Die Handlanger, die sich die Hände blutig machen sollen, brauchen Uniformen und Befehle, Korpsgeist und eine Ideologie und nicht zuletzt Geld und weitere Vergütungen; dies alles, heute wohl verstärkt durch Training an blutrünstigen Videospielen, hilft ihnen, Mitgefühl und Gewissen aufzugeben, so dass sie hemmungslos vergewaltigen, foltern und morden können.

Zuständig für die ideologische Weiterbildung in Auschwitz war Kurt Knittel, ein Lehrer mit SS-Rang. Von zu unterrichtenden Mördern gefragt, warum auch Frauen und Kinder sterben müssten, antwortete er: «Weil sie eine minderwertige Rasse sind.» Einer der Angeklagten im Frankfurter Prozess sagte: «Herr Knittel hat uns ja erst durch seine Vorträge das Morden beigebracht.» Jede Diktatur schaut mit stechendem Blick besonders auf die Jugend; das gilt auch für die Diktatur der Hamas.

Im deutschen Kinderbuch «Der Pudelmopsdackelpinscher», das 1940 erschien, werden die jüdischen Mitbürger Seite um Seite mit Bakterien, Giftschlangen und Schmarotzern verglichen; das Lernziel heisst Ausrottung: «Die letzte und entscheidende Abrechnung mit dem Judentum müssen unsere Kinder und Kindeskinder halten. Und darum wandten wir uns in diesem Buche an Euch, Jungen und Mädchen des deutschen Volkes!» Ohne das Buch gelesen zu haben, tragen die Hamas-Mörder seinen Inhalt in sich.

Zum Buch: «Bandwurm und Jude sind Schmarotzer der schlimmsten Art. Wollen wir uns ihrer entledigen, wollen wir wieder gesund und stark werden, dann hilft nur eines: ihre Ausrottung.»

Gibt es eine Weltgemeinschaft der Menschen? Sie müsste die Verbrecher bestrafen und denen, die ordentlich und in Ruhe leben und arbeiten wollen, Freiheit und Frieden sichern.

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