Bundesfrauenministerin Karin Prien warnt vor Pauschalverurteilungen von Männern in der Debatte über Gewalt gegen Frauen. Dies sagte die CDU-Politikerin im Interview der Zeit.
Prien erklärte: «Ich möchte wirklich davor warnen, zu sagen: Alle Männer sind so.» Dies sei «erstens falsch, und zweitens halte ich das für extrem kontraproduktiv». Zugleich plädierte sie dafür, die Perspektive von Männern stärker zu berücksichtigen. «Es ist an der Zeit, mal zu fragen: Wie geht es eigentlich den Männern, welche Vorbilder haben die Jungen, und wie können wir dafür Sorge tragen, dass sie sich in der Gleichstellungsdebatte gesehen und auch gerecht behandelt fühlen?»
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Die Ministerin betonte, strukturelle Ursachen von Gewalt müssten benannt werden. «Trotzdem muss man sich dringend davor hüten, alle Männer in einen Topf zu werfen.» Kritik äusserte sie auch an Entwicklungen im Feminismus: «Es entsteht der Eindruck, Männer würden nur noch wie defizitäre Frauen behandelt, die ohne Widerrede das volle feministische Programm vertreten sollen.»
Mit Blick auf den Schutz von Frauen sagte Prien, gesetzliche Massnahmen allein reichten nicht aus. «Wer keine Empathie empfindet gegenüber Frauen, wer glaubt, sich über sie erheben zu können, den werden auch Gesetze nicht ändern.»
Zugleich verwies sie auf einen Anstieg geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt. «Wir sehen gerade bei jungen Männern, auch bei den deutschen, dass die sich in erheblichem Umfang wieder Gewalt als Mittel der Kommunikation in einer Partnerschaft vorstellen können.» Daher brauche es auch strengere Gesetze.
Für mehr Gleichstellung sei entscheidend, dass «wir die Männer mitnehmen». Zur Aussage «Die Scham muss die Seiten wechseln» sagte Prien: «Die Scham ist noch zwischen den Seiten unterwegs und sicher noch nicht bei allen angekommen.»