Angeblich gibt es Menschen auf diesem Planeten, die sich nicht für Fussball interessieren. Und es soll sogar in der Schweiz den einen oder anderen Aussenseiter geben, der die derzeit in der Schweiz stattfindende Fussball-EM der Frauen kaltlässt.
In den Medien ist von einer gewissen Ausgewogenheit aber nichts zu spüren – rein gar nichts. Dort passiert gegenwärtig das, was eigentlich nicht sein sollte: Sport wird zur Politik und zum staatlich verordneten Glücksgefühl.
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Wer das Spiel der Schweiz gegen Finnland gesehen hat (und nicht aus Finnland stammt), wird sich über den märchenhaften Ausgleichstreffer der Wahlschweizerin Riola Xhemaili in der Nachspielzeit gefreut haben. Die erst kurz zuvor eingewechselte Offensivspielerin wurde zur glückstrahlenden Last-Minute-Heldin.
Was seither aber alles in dieses Ereignis hineininterpretiert wird, wirkt schon fast ermüdend, ja schier sektiererisch. Kaum ein Medium, das diesen Sportanlass nicht auf eine höhere Wahrnehmungsstufe befördert, das es nicht als Zeichen des gesellschaftlichen Wandels, des Fortschritts und der Inklusion sieht. Es scheint, die Frauen-Euro 2025 muss alle Begehrlichkeiten eines ganzen Jahrhunderts an gesellschaftspolitischer Entwicklung abdecken.
Dazu kommen die sich überschlagenden Stimmen der SRF-Kommentatoren. Unerträglich! Dabei geht es ja eigentlich nur um Fussball: elf gegen elf – und ein Ball.
Immerhin: Es ist Rettung in Sicht. In einer Woche spielt die Schweiz in Bern im Viertelfinal (wohl) gegen Spanien. Und spätestens nach dem Schlusspfiff dürfte sich der mediale Hype schlagartig beruhigen. Aufgrund der sportlichen Kräfteverhältnisse ist es derzeit realistischer, dass Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter in einer Woche im Wankdorf als Nationaltrainerin an der Seitenlinie steht, als dass die Schweizerinnen gegen die Weltmeisterinnen gewinnen.
Oder mit anderen Worten: Lassen wir uns noch eine Woche mit Euphorie und Enthusiasmus berieseln – und freuen uns auf die Ruhe danach.