In der SRF‑«Samstagsrundschau» kritisierte SP‑Co-Fraktionschefin Samira Marti den Vorschlag der SVP zur Begrenzung der Zuwanderung scharf. Im Zentrum steht die sogenannte Zehn‑Millionen‑Schweiz‑Initiative, über die das Stimmvolk im Juni abstimmt. Sie verlangt, die ständige Wohnbevölkerung unter zehn Millionen Personen zu stabilisieren und bei einem Überschreiten Gegenmassnahmen einzuleiten.
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Marti argumentierte unter anderem, in zehn Kantonen schrumpfe die Bevölkerung bereits heute – ein Hinweis darauf, dass sich das Wachstum relativiere. Die Botschaft der Chefgenossin: Die Schweiz erlebt gar keine grosse Zuwanderung. Im Gegenteil – sie ist vielerorts sogar rückläufig.
Stimmt das? Hat die Baselbieter Nationalrätin einen Punkt?
Die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeichnen jedoch ein anderes Gesamtbild: Per 31. Dezember 2024 lebten rund 9,05 Millionen Menschen in der Schweiz. Das entspricht einem Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemäss BFS verzeichneten alle 26 Kantone im Jahr 2024 ein Bevölkerungswachstum – wenn auch in unterschiedlichem Ausmass.
Am stärksten legten Kantone wie Schaffhausen, Freiburg und Wallis zu, während etwa das Tessin oder Appenzell Innerrhoden nur moderat wuchsen. In einzelnen Regionen gab es in früheren Jahren zwar Phasen mit negativem «natürlichem Saldo» – also mehr Todesfällen als Geburten –, doch 2024 resultierte gesamthaft in keinem Kanton ein Bevölkerungsrückgang.
Die politische Kernfrage lautet damit nicht, ob die Bevölkerung wächst – sie wächst –, sondern wie dieses Wachstum zu bewerten ist. Wer den Eindruck erweckt, ganze Landesteile befänden sich bereits im demografischen Sinkflug, macht falsche Aussagen und führt die Bevölkerung in die Irre.
Eine offene Debatte über Migration und Bevölkerungsentwicklung setzt voraus, dass mit überprüfbaren Zahlen argumentiert wird. Wenn statistisch kein einziger Kanton schrumpft, trägt die Behauptung flächendeckender Rückgänge wenig zur Versachlichung bei.
Es ist enttäuschend, dass offenbar sogar Exponenten einer Bundesratspartei nicht davor zurückschrecken, Falschinformationen zu verbreiten.
Hier eine Auswahl – Veränderung von 2023 zu 2024:
- Schaffhausen: +1,8 % – stärkstes Kantonswachstum
- Freiburg: +1,5 %
- Wallis: +1,5 %
- St. Gallen: +0,9 %
- Bern: +0,7 %
- Tessin: +0,3 % – einer der geringsten Zuwächse
- Appenzell Ausserrhoden: +0,3 %
- Jura: +0,4 %