Die Nachricht sorgte im Ausland teils für scharfe Kritik: Wenige Tage vor Weihnachten setzte die EU den Schweizer Generalstabsoberst Jacques Baud auf ihre Sanktionsliste. Brüssel wirft ihm vor, russische Propaganda zu verbreiten, und hat Baud mit einer Einreisesperre für EU-Staaten belegt und seine Konten gesperrt.
Hochrangige Schweizer Militärs scheinen darüber erfreut zu sein. In einem längeren Beitrag verteidigt die Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift (ASMZ) auf Linkedin die Sanktionierung Bauds. Die ASMZ ist offizielles Publikationsorgan der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), der Dachorganisation von rund zwei Dutzend kantonalen und dreizehn Fachoffiziersgesellschaften, der insgesamt rund 18.000 Mitglieder angehören.
Die Militärzeitschrift bezichtigt Baud, die «liberalen Werte» zu schwächen und die Gesellschaft «handlungsunfähig» zu machen. Kein Verständnis zeigt die ASMZ für Schweizer, die nun die Meinungsfreiheit in Gefahr sehen und Kritik äussern.
«Der Fall Jacques Baud dient als Weckruf. Er zwingt Europa und vor allem auch die Schweiz dazu, die Komfortzone der klassischen Meinungsfreiheit-Debatte zu verlassen und sich der Realität des Informationskrieges zu stellen. Neutralität kann in diesem Kontext nicht bedeuten, tatenlos zuzusehen, wie eigene Staatsbürger unter falscher Flagge die Sicherheitsarchitektur des Kontinents untergraben», heisst es in dem Beitrag.
Kritik äussert die ASZM indirekt sogar an Bern, weil man Baud stets habe gewähren lassen. «Die EU hat mit diesem Schritt [der Sanktionierung Bauds, Anm. der Red.] ihre Naivität abgelegt. Die Schweiz steht noch am Anfang dieses Prozesses.»
Die Schweizerische Offiziersgesellschaft, welche die ASMZ herausgibt, setzt sich nach eigenen Angaben für die «Interessen der Offiziere im Rahmen der schweizerischen Sicherheitspolitik» ein.
Im Fall Baud sind die Masken gefallen. Statt Baud zu verteidigen, zeigen ASMZ und SOZ Verständnis für die Sanktionen gegen den Schweizer Staatsbürger, der jahrzehntelang dem Land gedient hat.
Baud, der seit 2022 mehrere Bücher zum Ukraine-Krieg geschrieben hat und Kritik an der westlichen Politik äussert, arbeitete in ranghohen Positionen für die Uno, die Nato, das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten und den militärischen Nachrichtendienst.
Anmerkung der Redaktion vom 3. Januar 2026: Michele Moor, Oberst und Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, sagt, dass die Positionen des ASMZ-Autors «nicht der Meinung der SOG» entsprechen würde. Der Vorstand der SOG habe sich zum Fall Baud nicht geäussert.