Das Wall Street Journal verteidigt den früheren britischen Prinzen Andrew, der vergangene Woche festgenommen worden ist und im Zusammenhang mit den sogenannten Epstein-Akten unter strafrechtlicher Untersuchung steht. «Selbst verachtenswerte Menschen verdienen keine Lynchjustiz», so das Argument im Meinungsbeitrag. Der einstige Freund von Jeffrey Epstein falle einer transatlantischen moralischen Panik zum Opfer.
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Wie britische Behörden mitteilten, wird gegen Andrew Mountbatten-Windsor wegen des Verdachts auf «Amtsmissbrauch» ermittelt. Grundlage sind Hinweise in den Epstein-Unterlagen, wonach er möglicherweise vertrauliche Regierungsinformationen an den inzwischen verstorbenen US-Straftäter Jeffrey Epstein weitergegeben haben könnte. Konkrete Anklagen wegen Sexualdelikten bestehen nicht.
Andrew ist das erste Mitglied der britischen Königsfamilie seit 1649, das festgenommen wurde – damals wurde König Charles I. verhaftet und später hingerichtet. Im aktuellen Fall handelt es sich jedoch nicht um ein Kapitalverbrechen. Die Ermittlungen betreffen einen im englischen Common Law verankerten, vergleichsweise weit gefassten Straftatbestand des Fehlverhaltens im öffentlichen Amt.
Neben Andrew geriet auch der frühere Labour-Minister Peter Mandelson ins Visier der Behörden. Beide bestreiten Fehlverhalten. In britischen Medien wird seit Tagen intensiv über ein angebliches Netzwerk einflussreicher Männer spekuliert, die mit Epstein in Verbindung standen. Belege für konkrete Sexualstraftaten der Genannten wurden bislang nicht vorgelegt.
Die Festnahme Andrews erfolgte unter grosser öffentlicher Aufmerksamkeit. Mehrere Polizeifahrzeuge rückten zu seinem Anwesen aus, begleitet von Medienvertretern. Beobachter sprechen von einem beispiellosen öffentlichen Druck auf Justiz und Politik, wie das Wall Street Journal schreibt.