So viel Aufmerksamkeit bekam Show-Mann Jimmy Kimmel noch nie. Vor einer Woche setzte ihn Disney vorübergehend ab, weil er in seiner Sendung «Jimmy Kimmel Live!» den Attentäter des Trump-Vertrauten Charlie Kirk in die Nähe der Trump-Anhänger gerückt hatte.
O-Ton Kimmel vom 15. September: «Wir hatten am Wochenende einige neue Tiefpunkte, als die Maga-Gang verzweifelt versuchte, diesen Jungen, der Charlie Kirk ermordet hat, als alles andere als einen der ihren darzustellen, und alles tat, daraus politischen Kapital zu schlagen.»
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Gestern kehrte Kimmel nach einer sechstägigen Zwangspause auf dem Disney-Sender ABC an den Bildschirm zurück. Der emotionale Late-Night-Moderator entschuldigte sich nicht direkt, kroch aber ein bisschen zu Kreuze. Er habe niemals die Absicht gehabt, «eine bestimmte Gruppe» für die Handlungen «eines zutiefst gestörten Individuums» verantwortlich zu machen. «Das war wirklich das Gegenteil von dem, was ich eigentlich sagen wollte, aber ich verstehe, dass es für manche unpassend oder unklar oder vielleicht beides war», erklärte der Comedian, den Tränen nah. Und: «Ich glaube nicht, dass der Mörder, der Charlie Kirk erschossen hat, irgendjemanden repräsentiert.»
Die Mutter von Tyler Robinson, so hiess der beschuldigte Schütze, sagte jedoch, dass sich ihr Sohn kürzlich politisch nach links orientiert habe.
Die Suspendierung des Starmoderators erfolgte, nachdem der Vorsitzende der amerikanischen Medien-Regulierungsbehörde FCC, Brendan Carr, gesagt hatte, dass durch Kimmels «krankhafte» Aussagen Disneys Sendelizenzen in Gefahr sein könnte. Carr sagte, Kimmel sei Teil einer «konzentrierten Aktion» gewesen, um die Öffentlichkeit über die politische Ausrichtung des Kirk-Attentäters, dem 22-jährigen Tyler Robinson, zu täuschen, der laut FBI-Beamten und dem Gouverneur von Utah, Spencer Cox, eine «linke Ideologie» vertrat. Weiter sagte Carr, dass Rundfunkunternehmen, deren Lizenzen von der FCC erteilt werden, eine «Verpflichtung haben, im öffentlichen Interesse zu handeln».
In Disneys angeblichem Einknicken vor der Bundesbehörde sahen die meisten Kommentatoren den Todesstoss für die Redefreiheit im Land.
Präsident Donald Trump sah es anders. Er sagte, Disney habe Kimmel nicht wegen behördlichem Druck fallengelassen, sondern wegen der schlechten Quoten seiner Show. Diese Erklärung lieferte auch Brendan Carr nach, der bestritt, dass es sich um staatliche Zensur handelte: «Jimmy Kimmel ist aufgrund seiner Einschaltquoten in dieser Situation, nicht wegen irgendetwas, das auf Bundesebene passiert ist», sagte der FCC-Chef am Montag in New York.
Disney selber erklärte am gleichen Tag, dass man Kimmel suspendiert habe, weil das Unternehmen «eine weitere Verschärfung der angespannten Lage in einem emotionalen Moment für unser Land vermeiden» wolle und dass Kimmels Äusserungen «unangebracht und daher unsensibel» gewesen seien.
Ein Blick auf Jimmy Kimmels Quoten zeigt aber tatsächlich eine Talfahrt. Die New York Post schreibt, dass das Zuschauerinteresse im August stark zurückging und dass die Quote von «Jimmy Kimmel live!» bereits 2024 gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent gesunken war. Kimmel ist seit 23 Jahren bei Disney angestellt, Branchenberichten zu folge verdient er rund 15 Millionen Dollar pro Jahr. Sein Vertrag mit ABC, der im September 2022 um drei Jahre verlängert wurde, läuft noch bis Mai 2026.