Fiasko für den Steuerzahler: SBB-Chef Vincent Ducrot verantwortet eine der grössten Fehlinvestitionen in der europäischen Eisenbahngeschichte
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Fiasko für den Steuerzahler: SBB-Chef Vincent Ducrot verantwortet eine der grössten Fehlinvestitionen in der europäischen Eisenbahngeschichte

Benedikt Weibel, der langjährige Präsident der Generaldirektion der SBB, hat die vom Bund den SBB in Aussicht gestellten achtzehn Milliarden Franken als Wahnsinn bezeichnet. Das Geld der Steuerzahler werde zum Fenster hinausgeworfen. Weibel fordert in einem gemeinsam mit weiteren Bahnexperten verfassten Dokument ein Moratorium für weitere Projekte zum Ausbau des Schienennetzes, weil die Kosten für die Schieneninfrastruktur unkontrollierbar geworden seien. Laut Benedikt Weibel erfolgen die Investitionen ohne ein langfristiges Betriebskonzept. In seinen Augen ist die Schiene zum Fass ohne Boden geworden.

© KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Vincent Ducrot, CEO SBB, spricht ueber das Nachhaltigkeitsengagement der SBB, aufgenommen am Donnerstag, 18
© KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Weibel muss gewusst haben, worauf er sich mit Kritik am Heiligtum der Schweizer Eisenbahnen eingelassen hat. So bezeichnete Olivier Français, FDP-Ständerat aus Lausanne, dieses Plädoyer von Benedikt Weibel postwendend als eine unglaubliche Dummheit. Weibel sei selber für Unterlassungen während seiner Präsidialjahre von 1993 bis 2006 verantwortlich. Tatsächlich haben es die SBB heute geschafft, dank dem grünen Zeitgeist fortwährend an unbeschränkte Finanzmittel zu gelangen.

Wenn der charmante SBB-Chef Vincent Ducrot sorgenvoll mit der Stirne runzelt und ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung der Steuerzahler den Zerfall des Schienennetzes mit deutschen Verhältnisse heraufbeschwört, so erhält er prompt die gewünschten Millionen und Milliarden. Das bedeutet ein unfaires Spiel mit der grossen Identifikation der Schweizer Bevölkerung mit ihrer zumeist gut funktionierenden Eisenbahn.

Dabei geht vergessen, dass Ducrot für eine der grössten Fehlinvestitionen in der europäischen Eisenbahngeschichte verantwortlich ist. Unter seiner Führung wurde die zwei Milliarden Franken teure Beschaffung des Fernverkehrs-Doppelstockzuges (FV-Dosto) aufgegleist. Den Kaufvertrag bei der ehemaligen Bombardier (heute Alstom) hatte Ducrot unterzeichnet – für eine völlig unerprobte Technik mit der sogenannten Wankkompensation zur Stabilisierung der Wagen-kästen auch bei erhöhter Kurvengeschwindigkeit. Schon bald erhielten die FV-Dosto bei den Fahrgästen die Bezeichnung «Schüttelzüge». Inzwischen mussten die SBB den Misserfolg eingestehen und verzichten auf die neue Technik. Doch der für neue Fahrzeuge inakzeptable unruhige Wagenlauf der «Zukunftszüge» ist trotzdem geblieben.

Weniger im Fokus der Bevölkerung steht eine andere fragwürdige Vorgehensweise der SBB. Nach den teuren Ausbauten von Strecken werden die Fahrzeiten häufig nicht kürzer, sondern verlängert. Ein Beispiel ist die Linie von Genf nach Lausanne. So betrug im Jahr 1979 die Fahrzeit der Städteschnellzüge noch 33 Minuten. Nach der umfassenden Modernisierung in den letzten Jahren mit Erhöhung der Streckengeschwindigkeit und zusätzlichen Überholungsgeleisen beträgt sie heute 35 Minuten.

Eigentlich dürften nach Millioneninvestitionen spürbare Kürzungen der Fahrzeiten erwartet werden. Tatsächlich bedeuten solche Fahrzeitverlängerungen die simpelste Methode für eine gute Pünktlichkeit. Nur fragt man sich nach dem Resultat der Investitionen in die Modernisierungen.

Der öffentliche Verkehr in der Schweiz steht insgesamt auf einem hohen Niveau und soll das auch bleiben. Aber mit dem unbegrenzten Füllhorn ohne Verpflichtungen und kritische Fragen sollte es ein Ende haben. In Zukunft muss genauer darüber nachgedacht werden, welche Projekte wirklich notwendig sind und auf welche verzichtet werden kann.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.