US-Politikwissenschaftler Robert A. Pape warnt, dass eine Eskalation des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran strategisch eher Teheran als Washington nützen könnte. Der Professor der University of Chicago schreibt in der Zeitschrift Foreign Affairs, der Iran verfolge eine gezielte Strategie der «horizontalen Eskalation». Diese solle den Konflikt geografisch ausweiten, politische Kosten erhöhen und den Druck auf amerikanische Verbündete steigern. Ziel sei nicht ein militärischer Sieg über die USA oder Israel, sondern grössere politische Hebelwirkung.
Bilal Hussein/AP Phozo/Keystone
Ausgangspunkt der Analyse ist die gemeinsame amerikanisch-israelische Offensive gegen den Iran vom 28. Februar (Operation «Epic Fury»). Bei den Präzisionsschlägen seien Irans Oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei sowie mehrere Kommandeure der Revolutionsgarden getötet worden. Washington und Jerusalem hätten gehofft, damit die iranische Führung zu lähmen und das Regime zu destabilisieren.
Die unmittelbare Reaktion fiel jedoch anders aus. Innerhalb weniger Stunden hat der Iran Hunderte Raketen und Drohnen auf Ziele in Israel und im gesamten Golfraum abgefeuert. Luftalarm ertönte in Tel Aviv und Haifa, während Luftabwehrsysteme bei amerikanischen Militärbasen in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Saudi-Arabien aktiviert wurden.
Die Angriffe trafen oder bedrohten zudem zivile Infrastruktur und internationale Handelsrouten. Flughäfen mussten zeitweise schliessen, in Dubai geriet ein Hotel nach Trümmerteilen einer abgefangenen Drohne in Brand. Mehrere Tanker wurden in der Nähe der Strasse von Hormus beschädigt, woraufhin Versicherungsprämien für die Schifffahrt stark anstiegen. Gleichzeitig sprang der Ölpreis an, da rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels durch die Meerenge läuft.
Pape argumentiert, dass solche Aktionen typisch für schwächere Staaten seien. Statt militärisch direkt zu gewinnen, erweiterten sie den Konflikt auf neue Regionen, Wirtschaftssektoren und politische Arenen. Dadurch würden zusätzliche Akteure hineingezogen und der Druck auf Regierungen erhöht.
Als historische Beispiele nennt der Politologe Vietnam und den Kosovo-Krieg 1999. In beiden Fällen habe amerikanische Luftüberlegenheit zwar militärische Wirkung gezeigt, die Gegner hätten jedoch durch Ausweitung des Konflikts politische Kosten erzeugt und so die strategische Dynamik verändert.
Für Washington ergebe sich daraus ein Dilemma: Entweder die USA intensivieren ihre Luftkampagne und riskieren einen langen regionalen Krieg, oder sie beenden den Einsatz früh und nehmen politischen Schaden in Kauf. Der erste militärische Schlag habe ein taktisches Problem gelöst, so Pape – zugleich aber ein strategisches geschaffen.