Freiheit für Ameti: Warum die Operation-Libero-Chefin eine endgültige Verbannung nicht verdient hat
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Freiheit für Ameti: Warum die Operation-Libero-Chefin eine endgültige Verbannung nicht verdient hat

Sanija Ameti erhitzt die Gemüter. Wieder einmal. Mit ihrem auf Instagram veröffentlichten Bild von sich selbst, mit einer Pistole auf ein Bild von Maria und Jesus schiessend, löste sie einen Sturm der Entrüstung aus. Politiker, die Medien, gar die Bischofskonferenz liess sich verlauten. Die professionelle Provokateurin mit bosnischen Wurzeln ist in einen gewaltigen Shitstorm geraten. Sie steht derzeit unter Polizeischutz, wie der Blick berichtet, und wird mit Hassbotschaften überschüttet. Mit einem einzigen Beitrag in den sozialen Medien hat sich die Jungpolitikerin ins Abseits katapultiert.

© KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
Sanija Ameti, Co-Praesidentin Operation Libero, portraitiert am Dienstag, 2
© KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER

Eine endgültige Verbannung hat sie aber nicht verdient. Wer ins Abseits läuft, muss mit einem Freistoss des anderen Teams rechnen – und nicht mit einem Platzverweis für den Rest des Lebens. Die Zürcher Gemeinderätin teilt selbst gerne aus, klar. Und die Schüsse auf das Bildnis von Maria und Jesus waren überflüssig und geschmacklos, da Gefühle religiöser Menschen verletzt wurden.

Das eigentlich interessante Thema ist, warum diese Geschichte, diese scheinbare Lappalie, so hohe Wellen wirft. Leben wir nicht in einer Gesellschaft, in der Religion, das Christentum im Speziellen, seit Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung verliert? Offenbar weit gefehlt.

Anstand lässt sich nicht verordnen

Nichtsdestotrotz, es gibt kein Recht darauf, nicht beleidigt zu werden. In einer offenen und freien Gesellschaft, in der wir leben und auf die wir stolz sind, muss es zwingend auch Platz für andere Meinungen und Aktionen geben, auch für pietätslose, falsche und dumme Meinungen und Aktionen. Eine freie Gesellschaft hält das locker aus. Und es zeichnet uns aus. Anders gesagt: Wer gegen Cancel-Culture ist, steht zu Ameti – auch und gerade wenn man ihre Ansichten und Handlungen nicht teilt. Die freie Meinung ist eines unserer höchsten Güter. Diese Freiheit gilt es zu verteidigen. Cancel-Culture und mediale Hinrichtungen darf nicht die Art und Weise sein, mit welcher wir in der Schweiz Dispute austragen.

Aus liberaler Sicht sind Ametis EU-Anbindungs-Fantasien weit verstörender und gefährlicher. Zur Erinnerung: Sie und ihre Partei wollten das institutionelle Rahmenabkommen schon unterschreiben, als die Schweizer Diplomaten noch in Brüssel verhandelten und versuchten, für die Schweiz Vorteile rauszuholen.

Auch die Gerichte zu bemühen, wie dies «Mass-voll!»-Gründer Nicolas Rimoldi und Vertreter der Jungen SVP tun, ist aus freiheitlicher Sicht der falsche Weg. Natürlich ist es legitim, Moralvorstellungen und Anstand juristisch zu verordnen. Doch ist es auch sinnvoll oder freiheitlich? Man sollte die Gerichte mit wichtigeren Fragen beschäftigen.

Wie liberal ist die GLP?

Schwach ist auch die Reaktion ihrer Nochpartei, der GLP, sowie ihres bisherigen Arbeitgebers, der renommierten PR-Agentur Farner. Beide machen auf Schadensbegrenzung und lassen Ameti, auf die sie eben noch gesetzt haben, fallen wie eine heisse Kartoffel.

Hätte Jürg Grossen, der sonst so gelassene Berner Parteipräsident der Grünliberalen, nicht souveräner reagieren können? Anstatt Ameti in der «Tagesschau» öffentlich zum Abschuss freizugeben und sie zum «freiwilligen» Parteiaustritt aufzufordern, hätte er sich auch distanzieren und den Ball flachhalten können. Dass er das nicht tat, wirft unweigerlich die Frage auf, wie es eigentlich um die Meinungsfreiheit in der gemäss Eigenwerbung liberalen Partei bestellt ist. Oder sollte mit der Beseitigung Ametis gar einer möglichen künftigen Fusion mit der Mitte-Partei der Boden bereitet, oder zumindest Steine dazu aus dem Weg geräumt werden?

Ähnliches gilt für Farner. Offensichtlich ist Ametis Wirkungspotenzial mit dem Parteiaustritt für die renommierte PR-Agentur erschöpft. Die Agentur, die sich jeweils höchst loyal, professionell und schützend vor ihre Kunden stellt, lässt ihre Mitarbeiterin im Regen stehen. Einst rühmte man sich angeblich, Kartoffelsäcke zu Bundesräten machen zu können.

Im Zeitalter der sozialen Medien kochen die Emotionen leicht hoch, und die Empörungsmaschinerie läuft schnell heiss. Da ist uns allen etwas mehr Gelassenheit zu wünschen. Und wer weiss, vielleicht können die empörten Journalisten, die sich heute am gefallenen Shootingstar der GLP die Schuhe abputzen, schon bald einen Pierre-Maudet-Effekt in Zürich bejubeln. Totgesagte leben bekanntlich länger.

Dieser Text erschien zuerst im Monatsmagazin Schweizer Monat von Redaktor Fabian Gull.

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