Nach jahrelanger Verteidigung des Frühfranzösischs deutet nun auch der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) einen Kurswechsel an. Präsidentin Dagmar Rösler erklärte im Blick, dass die Resultate des frühen Fremdsprachenunterrichts «beunruhigend» seien und eine Anpassung nötig sei.
Hintergrund ist eine Vergleichsstudie der Konferenz der Erziehungsdirektorinnen und -direktoren, die zeigt: Nur rund die Hälfte der deutschsprachigen Schulabgänger erreicht die Minimalziele im Fach Französisch – deutlich weniger als im Fach Englisch, wo 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Anforderungen erfüllen. Besonders bei sprachschwachen Kindern habe sich das Frühfranzösisch sogar negativ ausgewirkt.
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Die Einführung zweier Fremdsprachen auf Primarstufe sei 2004 mit überhöhten Erwartungen erfolgt, so Rösler. Im Schulalltag habe man nie mit den politischen Zielsetzungen Schritt halten können: Es fehle an Lektionen, an Halbklassen und an Niveaugruppen. Englisch profitiere zudem von seiner Präsenz in Musik, Social Media und Streamingdiensten – Französisch hingegen sei für viele Deutschschweizer eine abstrakte Sprache geblieben.
Ob das Zwei-Fremdsprachen-Modell auf Primarstufe noch zeitgemäss sei, müsse nun offen diskutiert werden, forderte Rösler. Die Lehrpersonen würden sich zwar mit grossem Engagement einsetzen, aber ohne zusätzliche Ressourcen – kleinere Klassen, mehr Lektionen – sei ein hochwertiger Unterricht kaum möglich. Ansonsten sei es nicht mehr gerechtfertigt, an zwei Fremdsprachen in der Primarschule festzuhalten, so Rösler.