Wenn man heftige Kritik an Trump lesen will, dann greift man am besten zur New York Times. Dort wird der US-Präsident zuverlässig verbal verprügelt.
Nach dem Alaska-Gipfel zwischen Donald Trump und Wladimir Putin war das ganz anders. Die New York Times kommentierte in ihrem Leitartikel: «Das war beeindruckende Diplomatie für weniger als vier Stunden auf amerikanischem Boden.»
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Weniger beeindruckt waren die Schweizer Journalisten. «Statt eines Deals gibt es vor allem Verwirrung», titelte der Tages-Anzeiger. «Ratlos nach Trumps Gipfel», kommentierte das Schweizer Fernsehen. «Trump-Putin-Gipfel endet ohne Deal», schrieb der Blick.
Kein Deal? Vielleicht doch. Wenn man anderen US-Medien wie Fox News glaubt, gab es zwischen den beiden sehr wohl eine Abmachung in Alaska. Sie lautet, den Ukraine-Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ins Messer laufen zu lassen.
Der Deal: Wenn Selenskyj in der nächsten Zeit keinen Waffenstillstand ausruft, dann ist klar, dass nur er noch Krieg will, dann wird die Waffenhilfe reduziert und die von Putin besetzten Gebiete gehen definitiv an Russland. Wenn Selenskyj hingegen einen Waffenstillstand eingeht, dann bleibt Zeit für Verhandlungen, an deren Ende die Ukraine zwar Sicherheitsgarantien bekommt, die von Putin besetzten Gebiete aber ebenfalls an Russland gehen.
In beiden Fällen würde auch dieser Krieg enden wie jeder Krieg endet: mit einem Sieger und einem Besiegten. «Das war beeindruckende Diplomatie für weniger als vier Stunden auf amerikanischem Boden», nannte es die New York Times.