Die Zustimmung zur Bundesregierung von Friedrich Merz bricht unter Deutschlands Führungseliten deutlich ein. Das zeigt das neue Elite-Panel des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Wirtschaftsmagazin Capital.
57 Prozent der befragten Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung bezweifeln ein Jahr nach der Bundestagswahl, dass in dieser Legislatur noch grundlegende Reformen gelingen. 69 Prozent zeigen sich mit der Arbeit der schwarz-roten Koalition unzufrieden, während Bundeskanzler Merz persönlich etwas besser abschneidet: 53 Prozent äussern sich enttäuscht über ihn. Nur 13 Prozent der Unternehmen sehen sich durch bisherige Massnahmen spürbar entlastet.
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Die Kritik konzentriert sich vor allem auf die Wirtschaftspolitik. Während fast 90 Prozent der Befragten die Aussenpolitik positiv bewerten, gilt die wirtschaftspolitische Bilanz als schwach. Besonders vermisst werden Fortschritte beim Bürokratieabbau, bei der Reform des Sozialstaats sowie bei Energie- und Lohnnebenkosten. Entsprechend nennen bis zu 90 Prozent der Wirtschaftsvertreter genau diese Punkte als vordringlichste Hebel zur Stärkung der Konjunktur.
Zwar hat sich die Erwartungshaltung leicht aufgehellt – 53 Prozent rechnen wieder mit wirtschaftlicher Erholung –, doch nur eine kleine Minderheit glaubt an einen kräftigen Aufschwung. Gleichzeitig berichten über 40 Prozent der Unternehmen von starken Belastungen durch internationale Spannungen; etwa die Hälfte hält sich mit Investitionen zurück.
Auch die Standortfrage verschärft sich: 50 Prozent der Eliten halten Deutschland für weniger attraktiv als zuvor, nur 9 Prozent sehen Verbesserungen. Innerhalb der EU fällt das Urteil deutlich günstiger aus. Laut Allensbach-Chefin Renate Köcher bestehe ein «ganz klares Deutschlandproblem».