Ukrainische Männer im wehrfähigen Alter versuchen offenbar verstärkt, sich durch gefälschte LKW-Führerscheine der Einberufung an die Front zu entziehen. Das geht aus einer Sonderauswertung deutscher Sicherheitsbehörden hervor, über die die Bild-Zeitung berichtet. Polnische Grenzbeamte hätten bei Kontrollen vermehrt solche Dokumente entdeckt.
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Die Masche funktioniert über eine Ausnahmeregelung im ukrainischen Wehrrecht: Berufskraftfahrer mit internationalen Transportaufträgen dürfen das Land verlassen. Diese Regelung wird laut dem Bericht gezielt missbraucht – etwa durch gefälschte oder gestohlene Führerscheine. In einem Fall fanden polnische Grenzer 203 Blanko-Führerscheine in einem Bus an der Grenze zu Polen, manipuliert mit einer nachträglich hinzugefügten Fahrerlaubnis der Klasse C.
Die ukrainische Botschaft weist die Vorwürfe zurück. Es gebe «kein Verbot» für Männer, einen LKW-Führerschein zu erwerben. Zudem handle es sich beim sogenannten LKW-Trick nicht um ein Massenphänomen. Der überwiegende Teil der Männer reise legal mit entsprechender Genehmigung.
Die polnischen Behörden sprechen dagegen von organisierter Kriminalität. Laut dem Sprecher des Oberbefehlshabers der Grenzschutztruppe stecken hinter der Schleuserpraxis «spezialisierte kriminelle Gruppen».
Wie viele Männer sich mithilfe gefälschter Dokumente absetzen konnten, ist unklar. 2024 verhinderten polnische Grenzbeamte jedoch 498 Ausreisen ukrainischer Männer im Alter zwischen 25 und 60 Jahren. Im ersten Halbjahr 2025 wurden bereits 118 ähnliche Fälle gezählt.