Mehr als 98 Prozent der Geflüchteten, die zwischen 2013 und 2019 nach Deutschland kamen, streben eine Einbürgerung an. Viele behalten dabei auch ihre ursprüngliche Staatsangehörigkeit. Das geht aus drei Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hervor.
Die Zahlen zeigen eine klare Entwicklung: Der Anteil der Eingebürgerten stieg zwischen 2021 und 2023 von 2,1 auf 7,5 Prozent. Gleichzeitig verdreifachte sich die Zahl der Anträge auf Einbürgerung auf 25,7 Prozent. Besonders häufig erhielten Syrer die deutsche Staatsbürgerschaft. In neun von zehn Fällen behalten sie zusätzlich ihren alten Pass.
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Die Motive sind klar: Wer aus einem Drittstaat kommt, erhält mit dem deutschen Pass deutlich mehr Rechte, darunter Reisefreiheit, rechtliche Sicherheit, bessere Chancen am Arbeitsmarkt und die Möglichkeit zur Familienzusammenführung. Während EU-Bürger bereits weitreichende Freiheiten in Deutschland geniessen, profitieren Geflüchtete aus Ländern wie Afghanistan, Iran oder Eritrea in besonderem Masse von der Einbürgerung.
Gleichzeitig hat sich das Stimmungsbild gewandelt. Das Gefühl, willkommen zu sein, hat seit 2018 deutlich abgenommen. 2023 gaben 54 Prozent der Befragten an, sich vor Fremdenfeindlichkeit zu fürchten – ein Höchststand im Beobachtungszeitraum. Laut DIW verläuft dieser Anstieg parallel zu einer zunehmend migrationskritischen Debatte im politischen Raum.
Die neuen Regeln des Staatsbürgerschaftsrechts verlangen unter anderem Sprachkenntnisse auf Niveau B1 sowie den Nachweis eines gesicherten Lebensunterhalts. Die Mindestaufenthaltsdauer wurde auf fünf Jahre verkürzt. Wer diese Hürden meistert, entscheidet sich laut DIW in der grossen Mehrheit bewusst für ein dauerhaftes Leben in Deutschland.