Erfolgreiche Marken adressieren ein Bedürfnis, folgen einer klaren Identität, und das Wichtigste: Sie differenzieren sich vom Wettbewerb. Im Zweifelsfall gilt das Primat «Anders ist besser als besser».
Aus Sicht der Markenführung könnte die Einstufung der AfD als «gesichert rechtsextremistisch» durch den Verfassungsschutz der Partei eher nützen als schaden. Zumindest kurzfristig.
Denn die internationale Rechte und damit auch die AfD hat so etwas wie einen neuen Konservativismus begründet. Neben der nationalen Ausrichtung unterscheidet sich dieser im Habitus. Der Ton der traditionellen Bürgerlichkeit ist geprägt von Respekt und Anstand, hier manifestiert er sich in der Rüpelhaftigkeit.
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Die Einstufung von offizieller Stelle stützt den Markenkern der AfD, indem sie das Märtyrer-Narrativ «Wir sagen die Wahrheit, deshalb macht uns das System mundtot» nährt. Eine Regel im Inszenierungshandwerk lautet, dass man die Figur des Königs nicht spielen kann. Sie wird durch das Verhalten der anderen Figuren erst belebt.
Der Verfassungsschutz bringt die Opferinszenierung der AfD erst recht zutage und bestärkt jene Kreise, die sich «abgehängt» fühlen und mit der liberalen Demokratie hadern. Was die Etikettierung «gesichert rechtsextremistisch» für das langfristige Überleben bedeutet, ist eine andere Frage.
Sympathisanten und Mitglieder mit Funktionen im öffentlichen Dienst riskieren Konsequenzen. Auch sollen staatliche Gelder dank der in Deutschland üblichen Parteienfinanzierung im Jahr 2022 die grösste Einnahmequelle der AfD gewesen sein. In der Logik der Markenführung müsste demnach nicht der brand, sondern das Geschäftsmodell neu gedacht werden.