Es war ein schwarzer Tag für den Schweizer Bergtourismus: Im Skigebiet Engelberg-Titlis ist am Mittwoch eine Gondel der Anlage Titlis Xpress abgestürzt. Eine 61-jährige Frau aus der Region, die sich allein in der Kabine befand, verlor dabei ihr Leben. Das Unglück ereignete sich kurz vor 11 Uhr auf dem Streckenabschnitt zwischen der Mittelstation Trübsee und der Station Stand.
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Zum Unglückszeitpunkt herrschte in den Urner Alpen eine massive Föhnlage mit Windspitzen von über 100 km/h. Besonders brisant: Laut Hans Wicki, Verwaltungsratspräsident der Titlis-Bahnen, ereignete sich der Absturz exakt in jenem Moment, als die Mitarbeiter damit beschäftigt waren, die Gondeln aufgrund des aufkommenden Sturms zu sichern beziehungsweise leerzufahren.
Die Kabine stürzte kurz nach der Ausfahrt aus der Station in die Tiefe, überschlug sich mehrfach und blieb auf einem schneebedeckten Hang liegen. Rund 150 bis 200 weitere Gäste mussten in einer stundenlangen Aktion aus den verbliebenen Gondeln evakuiert werden.
Da die Anlage laut Betreiber auf dem technisch neuesten Stand war, steht die Frage im Raum, wie sich eine fest verankerte Kabine vom Tragseil lösen konnte. Seilbahnexperten ziehen zwei Szenarien in Betracht.
Es könnte sich zum einen um technisches Versagen gehandelt haben: ein Materialfehler an der Klemme oder ein «Anhängen» der Gondel an einem Bauteil, zum Beispiel einem Wartungspodest, durch extreme Querpendelung im Wind, wodurch das Seil aus der Verankerung gerissen wurde. Oder aber es liegt menschliches Versagen vor, zum Beispiel durch einen Fehler bei der täglichen Prüfung der Klemmkraft oder beim Management der Betriebseinstellung während des Sturms.
Sichtlich erschüttert trat Titlis-Geschäftsführer Norbert Patt vor die Medien: «Eine Gondel darf einfach nicht abstürzen. Das ist ein furchtbares Ereignis, das aus heiterem Himmel kam.» Man kooperiere vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei Nidwalden, die die Ermittlungen leiten, da der Absturzort auf Nidwaldner Boden liegt.