Grossbritannien im Kontrollwahn: Warum England einen grossen Schritt in Richtung Sozialkredit-System macht
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Grossbritannien im Kontrollwahn: Warum England einen grossen Schritt in Richtung Sozialkredit-System macht

Nachdem der Drehbuchautor Graham Linehan wegen der Kritik an Transgender-Aktivisten von schwerbewaffneten Polizisten abgeführt worden war, befürchten einige die Entstehung eines Überwachungsstaates. Der schleichende Trend Richtung «Social Credit System» ist nicht nur in England erkennbar. Doch der staatliche Rundum-Service kommt nicht über Nacht. Er entwickelt sich in kleinen Schritten, und jede Stufe ist für sich genommen plausibel, glaubwürdig und zum Nutzen der User.

Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
Britain's prime Minister Keir Starmer applauds as he listens to his Chancellor of the Exchequer Rachel Reeves give her keynote speech during the annual Labour Party conference in Liverpool, England, Monday, Sept
Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved

Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer hat angekündigt, ein digitales Ausweissystem («Digital ID»/«BritCard») einzuführen, das unter anderem für die Rechtsgültigkeit der Arbeit («right to work») genutzt werden soll, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Der Bezug der Karte ist freiwillig. Aber ohne Karte ist keine Neueinstellung mehr möglich. Der Arbeitgeber ist hingegen verpflichtet, die Karte des Bewerbers zu prüfen. Hat dieser keine Karte: kein Job.

In nächsten Schritt wird die Karte, die uns das Leben im Umgang mit Behörden so sehr erleichtern wird, als E-ID-App in das Smartphone integriert. Versprochen wird wie üblich Freiwilligkeit, Bürokratieabbau, Effizienz und Nachhaltigkeit (Papier sparen). Wenn Onlineshops und private Dienstleister für Logins nur noch die E-ID akzeptieren, kann der Staat seine Hände in Unschuld waschen.

Die nächste Stufe bringt den Bewegungs-Tracker und integriert die Bewegungs-Sensoren der E-ID-Chips in bunten Armbändern und Smartwatches. Zum Wohl der Gesundheit, denn jetzt werden auch Schrittzähler, Herzfrequenz und Bonuspunkte von Krankenkassen angezeigt.

Nach der Abschaffung des Bargeldes (zur Bekämpfung der Geldwäscherei) wird das Konsumverhalten in das Profil integriert und ein Bonussystem aktiviert. Gesunde Ernährung und sportliche Aktivität geben Pluspunkte, unkooperatives Verhalten Minuspunkte. Zunächst verkauft man die neue Stufe als «Gamification», dann wird es zunehmend ernst: Sanktionen können Absagen bei Job- und Wohnungssuche nach sich ziehen, Kredite werden grundlos verweigert, Bahn- und Flugtickets nicht mehr ausgestellt.

In der Endstufe werden nicht mehr nur falsche Handlungen bestraft, sondern auch falsche Kontakte. Pech, wenn man mit einer unbekannten Person reist, die einen Minus-Score aufweist. Die ursprüngliche E-ID-Karte wird zur Büchse der Pandora.

Ob das eine dystopische Utopie von Verschwörungstheoretikern ist, wird die Zukunft zeigen. Es gab nie zuvor wie in den letzten Jahren so viele Verschwörungstheorien, die sich nachträglich als wahr erwiesen haben.

Wenn es eines Tages so weit ist, ist es längst zu spät. Jean-Claude Juncker, der ehemalige Präsident der EU-Kommission, hatte das Verfahren einst so beschrieben: «Wir beschliessen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein grosses Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.»

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.