Grossbritanniens Ex-Premier Boris Johnson ist im September 2023 gemeinsam mit Christopher Harborne, einem seiner grössten privaten Geldgeber, nach Kiew gereist. Wie aus geleakten Unterlagen hervorgeht, nahm Harborne als angeblicher «Berater» an mehreren hochrangigen Treffen teil. Zuvor hatte der Unternehmer Johnson eine Million Pfund überwiesen – angeblich an dessen Privatfirma.
SERGEY DOLZHENKO / KEYSTONE
Laut Recherchen des Guardian handelt es sich um die grösste bekannte Einzelspende an einen britischen Parlamentarier. Harborne, ein in Thailand lebender Brite mit vielfältigen Interessen von Kryptowährungen bis Militärtechnik, war auch massgeblich an der Finanzierung der Brexit-Kampagne beteiligt. Seine Verbindung zur Ukraine beschränkt sich offenbar auf ein britisches Rüstungsunternehmen, das Drohnen an die ukrainische Armee liefern soll.
Anlass der Reise war das «Yalta European Strategy Forum» in Kiew, wo Johnson als Redner auftrat. In den internen Reiseplänen ist Harborne für zentrale Programmpunkte als Teil der Delegation gelistet – unter anderem beim Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj. Offiziell schweigen sowohl Johnson als auch Harborne über den Zweck der Reise.
Die geleakten «Boris Files», die von der Transparenzplattform Distributed Denial of Secrets veröffentlicht wurden, zeichnen ein Bild eines Politikers, der seine internationale Prominenz seit dem Rücktritt aus Downing Street für persönliche Interessen nutzt – etwa durch Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman oder Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro.
Gleichzeitig bleibt Johnson ein vehementer Unterstützer der Ukraine. Für ihn sei der Krieg gegen Russland «heilig», zitiert der Guardian einen Politikberater. Auf Kritik an der Reise reagierte Johnson mit scharfen Worten: «Ihre erbärmlichen Nichtgeschichten stammen offenbar aus einem illegalen russischen Hack. Sie sollten sich schämen.»