In Harsefeld bei Hamburg haben sich mehr als 300 Anwohner zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, um auf eigene Faust gegen eine gewalttätige Jugendgang vorzugehen. Die Gruppe zeigt täglich Präsenz an Schulen, Bahnhöfen und anderen Brennpunkten. Hintergrund sind anhaltende Übergriffe, Drogenhandel und Erpressungen – und eine kaum präsente Polizei.
Wie die Bild-Zeitung berichtet, ist die örtliche Polizei in Harsefeld chronisch unterbesetzt, die Wache zeitweise sogar geschlossen. Einsätze erfolgen aus dem rund fünfzehn Kilometer entfernten Buxtehude. «Alle fühlen sich hier im Stich gelassen», sagt Feuerwehrmann und Initiator Mathias Pohle. Die Jugendlichen, darunter zwei mutmassliche Anführer im Teenageralter, dokumentieren ihre Gewalttaten in Videos und verbreiten sie im Netz.
Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist gross. «Es ist purer Zufall, dass noch kein Kind gestorben ist», sagt eine dreifache Mutter, nachdem sie ein Gewaltvideo gesehen hatte. Viele Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr allein aus dem Haus.
Die Polizei begegnete dem zivilen Engagement mit Vorbehalten. Eine «Bürgerwehr» klinge abschreckend, heisst es. Die Gruppe änderte daraufhin ihren Namen in «Bürgerinitiative». Polizeisprecher Rainer Bohmbach räumte gegenüber der Zeitung ein, dass ländliche Regionen personell nicht mit Grossstädten vergleichbar seien.