Der Tod des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei hat die Entstehungsgeschichte des islamistischen Regimes im Iran erneut in den Fokus gerückt. Historiker verweisen in einem ausführlichen Bericht der Zeitung Die Welt darauf, dass die Herrschaft der schiitischen Geistlichkeit auf die Revolution von 1979 zurückgeht, als Ajatollah Ruhollah Chomeini nach Jahrzehnten im Exil die Macht übernahm.
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Bereits kurz vor dem Umsturz warnte der damalige deutsche Botschafter in Teheran, Gerhard Ritzel, vor einer möglichen Entwicklung hin zu einer religiösen Diktatur. In einem Bericht an das Auswärtige Amt schrieb er am 5. Februar 1979: «Die Gefahr eines Abgleitens Irans in eine autoritäre Theokratie, in eine Herrschaft der Mullahs, ist durchaus gegeben.»
Der Iran galt zuvor als eines der reformorientierteren Länder im Nahen Osten. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte eine konstitutionelle Bewegung eine moderne Verfassung hervorgebracht. Unter Schah Reza Pahlavi und später seinem Sohn Mohammed Reza Pahlavi wurde der Staat weiter modernisiert: Es entstanden staatliche Schulen, die Justiz wurde reformiert, Frauen erhielten schrittweise mehr Rechte, so die Welt.
Gleichzeitig entwickelte sich die Monarchie zunehmend autoritär. Der Sturz des populären Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh im Jahr 1953 durch einen von den USA und Grossbritannien unterstützten Putsch stärkte die Macht des Schahs und beschädigte seine Legitimität. Die gefürchtete Geheimpolizei Savak ging hart gegen Oppositionelle vor.
In den 1970er Jahren wuchs die Unzufriedenheit im Land. Während ein Teil der Elite von den steigenden Öleinnahmen profitierte, verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage vieler Bürger. Proteste gegen das Regime nahmen zu. Religiöse Kräfte um den im Exil lebenden Ajatollah Chomeini gewannen dabei zunehmend Einfluss.
1979 verliess der Schah das Land. Wenige Wochen später kehrte Chomeini aus dem französischen Exil nach Teheran zurück und erklärte unmittelbar seinen Machtanspruch. «Ich bin es, der die Regierung ernennt», sagte er damals.
Nach dem Zusammenbruch der Monarchie etablierte Chomeini eine islamische Republik, in der die höchste politische Autorität bei einem religiösen Führer liegt. Aus revolutionären Milizen entstanden später die Revolutionsgarden, die bis heute eine zentrale Rolle im Machtgefüge spielen.
Das System überdauerte mehrere Jahrzehnte und prägte die Politik des Iran bis in die Gegenwart.