Kein Witz: Uno-Generalsekretär António Guterres hat dem iranischen Regime zum Jahrestag des Sieges der Islamischen Revolution ein Glückwunschschreiben übermittelt. Er bezeichnete den Tag als Gelegenheit, über den Weg des Landes, dessen Rolle und dessen Beiträge zur internationalen Gemeinschaft nachzudenken.
Man könnte sagen: Das ist nichts als ein diplomatisches Protokoll, unabhängig vom Anlass. Eine Geste, die in der Diplomatie eben dazugehört.
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Doch das wäre Heuchelei.
Was gibt es denn wenige Wochen nach dem Massaker an den Gegnern des Regimes überhaupt zu gratulieren? Was gibt es zu feiern, wenn Frauen verfolgt werden, die für ihre Rechte einstehen, Regimekritiker im Gefängnis sitzen oder exekutiert werden? Was soll der Glückwunsch zum Jubiläum der Revolution, die für viele Iraner Jahrzehnte der Unterdrückung gebracht hat?
Die Uno versteckt sich hinter Formalitäten. Solche Botschaften seien üblich, sagt sie. Doch gerade in der Diplomatie sind Worte nicht bloss Formalitäten. Sie setzen Zeichen. Und sie werden gehört – von Regierungen ebenso wie von den Menschen, die täglich die Folgen solcher Politik tragen.
Genau das ist der Widerspruch: Wenn eine Organisation, die für Menschenrechte stehen will, autoritären Regimen öffentlich gratuliert, wirkt das wie eine Maskerade. Denn die Vereinten Nationen wurden gegründet, um Menschenrechte zu schützen. Guterres untergräbt diesen Anspruch, weil er vor lauter diplomatischem Protokoll den Kompass verloren hat.