Die dänischen Sozialdemokraten unter Ministerpräsidentin Mette Frederiksen stürzen in den Umfragen ab. Einer neuen Erhebung zufolge kommt die Partei nur noch auf 17,5 Prozent – ein historischer Tiefstand seit Frederiksens Amtsantritt vor rund zehn Jahren. Bereits bei den jüngsten Kommunalwahlen hatte die Partei zahlreiche Bürgermeisterposten verloren, darunter die Hauptstadt Kopenhagen, die über ein Jahrhundert in sozialdemokratischer Hand war. Nur ein Jahr vor der nächsten Parlamentswahl wächst nun der Druck auf die Parteichefin – erste Rücktrittsforderungen werden laut.
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In einem FAZ-Kommentar von Julian Staib interpretiert der politische Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien den Absturz als Folge einer zunehmenden Entfremdung der Mitte. Frederiksen habe ihre Partei mit einer harten Migrationspolitik und gleichzeitig sozialpolitischen Versprechen lange an der Macht gehalten. Doch inzwischen sei die Balance verloren gegangen. Die Ministerpräsidentin wolle nicht nur Abschiebungen erleichtern, sondern sogar die Europäische Menschenrechtskonvention infrage stellen. Gleichzeitig wandle sich die «rote Mette» in einer ungeliebten Koalition mit Wirtschaftsliberalen zur Technokratin. Sozialpolitische Härten wie eine Rente ab 70, steigende Mieten und hohe Lebenshaltungskosten erzeugen zusätzlichen Unmut.
Auch die Ukraine-Politik gerät in die Kritik: Frederiksen hat Dänemark zur prozentual grössten Unterstützernation gemacht – gemessen am Bruttoinlandsprodukt. 10,2 Milliarden Euro flossen laut Kommentar bislang nach Kiew, überwiegend in Form von Militärhilfen. Während Frederiksen international als «Draussen-Mette» glänze, wachse im Inland das Gefühl, dass die «Zu-Hause-Mette» ihre eigenen Leute vergessen habe.