In einer Ära, in der Hollywood oft wie eine klinisch reine Fliessbandproduktion wirkt, erinnert uns ein aktuelles Gespräch daran, dass das wahre Kino im Chaos und in der Improvisation entsteht. Die Schauspiel-Giganten Leonardo DiCaprio und Benicio del Toro gaben sich im Podcast «New Heights» die Ehre, um über ihr gemeinsames Filmprojekt «One Battle After Another» zu sprechen. Es ist ein tiefer Einblick in eine Welt, in der Regisseure wie Paul Thomas Anderson noch das Sagen haben – und nicht die Algorithmen.

DiCaprio betont, dass ihr neuer Film zwar politisch aufgeladen sei, sich aber nie wie eine belehrende «Medizin» anfühle. Im Kern sei es die zutiefst menschliche Geschichte eines Vaters, der versuche, seine Tochter zu beschützen. Besonders fasziniert zeigt sich DiCaprio von der Unvollkommenheit seiner Rolle: «Wir haben uns immer wieder entschieden: Nein, lass ihn noch einmal scheitern.» Sein Charakter ist kein strahlender Held, sondern ein Mann, der Passwörter vergisst, von Dächern fällt und an banalstem Kundenservice verzweifelt. Es ist die Verherrlichung des menschlichen Stolperns in einer Welt, die Perfektion verlangt.
Del Toro, der bereits mit Visionären wie Wes Anderson zusammengearbeitet hat, zieht einen spannenden Vergleich zwischen den Regiestilen. Während Wes Anderson jedes Detail wie im Theater durchplant, vergleicht er die Arbeit mit Paul Thomas Anderson eher mit einer Dokumentation oder einem Jazz-Ensemble: «Er versucht, den Blitz im Moment einzufangen.»
Die Schauspieler berichten von einem einwöchigen Roadtrip durch Kalifornien und Mexiko, bei dem das Drehbuch oft nur als grobe Orientierung diente. «Paul vertraut seinen Schauspielern zutiefst», so del Toro. Diese Freiheit führte dazu, dass viele Szenen im Film reine Improvisation sind – eine Seltenheit im modernen Blockbuster-Kino.
Ein amüsanter, aber bezeichnender Blick zurück in die Karrierestarts offenbart die Absurditäten der Branche. DiCaprio erinnert sich, wie Agenten ihm mit zwölf Jahren rieten, seinen Namen zu ändern, da er «zu ethnisch» klinge. Man wollte ihn als «Lenny Williams» vermarkten. Erst das strikte Veto seines Vaters bewahrte der Welt den Namen Leonardo DiCaprio. Auch del Toro entging nur knapp einer Umbenennung in «Benny Dell».
Auf die Frage, was Regielegenden wie Martin Scorsese oder Steven Spielberg gemeinsam haben, ist die Antwort klar: die Fähigkeit, zuzuhören und zu kollaborieren. «Grosse Regisseure sind wie Coaches, die auf die Spieler auf dem Feld hören», erklärt del Toro. DiCaprio ergänzt eine Lektion, die er schon mit sechzehn Jahren von Robert De Niro lernte: «Schmerz ist vergänglich, der Film bleibt für immer.»
Das Gespräch zeigt: Trotz aller technologischen Veränderungen bleibt die Essenz des Kinos das Handwerk, die Vorbereitung und der Mut, sich im Moment zu verlieren.