Wir wissen nicht, welches schlimme Schicksal Grünen-Politikern droht, wenn sie sich – Gott behüte! – zu Deutschland oder Vaterlandsliebe bekennen würden. «Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen», hat Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mal gesagt. Jetzt kommt auch der neue Grünen-Chef Felix Banaszak beim Thema Heimat ins Stottern.
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«Haben Sie auch ein Problem mit dem Vaterland?», wurde er beim «Sommerinterview» der ARD gefragt. Antwort: «Was soll ich dazu sagen? Ich liebe erst mal meine Frau und meine Tochter, und das über alle Massen. Und ich möchte, dass Deutschland ein Land ist, in dem sich alle Menschen wohlfühlen, das für alle Menschen eine Heimat ist.» Nachfrage: «Also ‹Ich liebe Deutschland› sagen Sie nicht?» «Ich liebe Duisburg. Ich liebe mein konkretes Umfeld.» Er habe ein gutes Verhältnis zu Deutschland, so Banaszak. «Ich kann mit dem Begriff ‹Liebe› für so etwas Abstraktes … Aber das soll jeder für sich entscheiden.» Das sei kein Politikum.
Ob man im Stammlokal geschnitten, auf dem Grünen-Parteitag ausgebuht oder im privaten Umfeld verdächtigt wird, das eigene Land mehr zu mögen als Migranten – die tiefere Quelle für das Unbehagen am eigenen Land bei vielen Grünen bleibt einstweilen im Dunklen.
Banaszak (35) jedenfalls ist ein geradezu klassischer Politik-Politiker, der in seinem Leben nie etwas anderes gemacht hat, als im grünen Milieu zu wirken. Gymnasium, Zivildienst, Studium der Politikwissenschaft und dann «Mitarbeiter von …». Vor allem bei grünen Europaabgeordneten sammelte Banaszak Sporen und Erfahrung und war im Vorstand des «Instituts Solidarische Moderne», eine «Denkfabrik» für den Dialog linker Strömungen. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.
Mit Deutschland als solchem fremdelte der heutige Grünen-Chef allerdings auch schon auf früheren Karriere-Stationen. Das zeigen zum Beispiel Tweets von 2012 und 2013, die die Kollegen von Apollo News ausgegraben haben. «Deutschland ist kein Grund zum Feiern», schrieb er, der damals führendes Mitglied der Grünen Jugend war und nur kurze Zeit später zu deren Chef werden sollte, etwa am Tag der Deutschen Einheit 2012 auf Twitter.
Und auch mit der «Wiedervereinigung» hatte er es nicht so: «‹Wiedervereinigung› klingt so, als hätte es dieses ‹Deutschland› vorher schon mal legitimerweise gegeben», schrieb er. Oder: «Ich bin ja gegen Deutschland» anlässlich des ESC 2013.
Im Grunde dürfte es sich bei dieser Verächtlichkeit für Deutschland um eine Art milieutypische Abgrenzungschiffre handeln, die man vor sich her trägt wie ein religiöses Zugehörigkeitszeichen einer Sekte, das einfach zum Traditionsbestand gehört, nicht hinterfragt, sondern gepflegt wird wie ein wärmendes Lagerfeuer.
Die anderen mögen ihr Land, wir sind in der Welt zu Hause und kümmern uns um die multokulturellen Identitäten von auswärts. Patriotismus, Nation, Abstammung – alles gestrig und dumpf. Dumm nur, dass es den Klügeren heute dämmert, dass man für die Heimatliebe der Ukrainer bis hin zum Dienst an der Waffe nicht eintreten kann, ohne in Widerspruch zum eigenen Banausentum zu geraten. Aber so ganz kriegt man die langjährige Sozialisierung dann doch nicht aus den Knochen …