«Cash ist nicht mehr king», «Später zahlen? Bargeld kann das nicht», «Du liebst Bargeld. Aber hat Bargeld dich jemals zurückgeliebt?» – so prangt es seit einigen Tagen in schwarz-hellblauer Typo von unzähligen Plakatwänden. Ein Logo ist nicht zu sehen. Der Initiator der Kampagne: zunächst unbekannt.
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Zumindest bis gestern. Doch dann wurde lanciert, dass hinter der Werbeaktion der amerikanische Zahlungsdienstleister Paypal steckt. Flankiert wird die Plakatkampagne mit Werbespots, für die Paypal den US-Schauspieler Will Ferrell verpflichten konnte. Künftig, so die Botschaft der Clips, können Kunden nicht nur im Internet «paypalen», sondern auch im stationären Handel – zumindest dort, wo auch Mastercard akzeptiert wird.
Doch die Sache ist natürlich bei weitem nicht so harmlos und lustig, wie Paypal suggeriert. Denn das Zahlen mit Paypal ist nicht einfach ein Produkt wie Dosentomaten. Zahlen mit oder ohne Bargeld ist ein Politikum. Hier geht es nicht nur um Bequemlichkeit. Hier geht es um Fundamente unserer Demokratie: um Freiheit, Anonymität, Autarkie und Selbstbestimmung.
Paypal scheint das zu wissen. Und deshalb macht es nicht einfach Werbung für seinen neuen Bezahlservice, sondern inszeniert eine politische Kampagne gegen das Bargeld. Warum, ist klar: Bargeld ist der Industrie und dem Handel ein Dorn im Auge. Und dem Staat sowieso. Mit elektronischem Geld lassen sich die Bürger viel besser kontrollieren, überwachen, bestrafen und durchleuchten.
Deshalb ist Bargeld Freiheit. Und jeder Versuch, Bargeld abzuschaffen, ist ein Anschlag auf uns Bürger, auf unsere Unabhängigkeit, unsere Privatsphäre. Paypal irrt: Cash ist king. Und wie. Denn Bargeld ist anonym. Man kann seine Wege nicht nachvollziehen. Es funktioniert sogar ohne Strom. Und man kann mit ihm direkt von Bürger zu Bürger bezahlen: ohne Bank, ohne Bezahlservice. Was für eine Freiheit!