Die deutsche Industrie hat im Juni überraschend einen weiteren Rückschlag erlitten. Laut Statistischem Bundesamt sanken die Auftragseingänge im Vergleich zum Vormonat um 1 Prozent – das zweite Minus in Folge, berichtet die Bild-Zeitung. Ökonomen hatten mit einem leichten Plus gerechnet. Besonders betroffen ist das Geschäft mit Übersee: Während die Bestellungen aus der Euro-Zone um 5,2 Prozent zulegten, brachen sie im Rest der Welt um 7,8 Prozent ein.
industry complex in Frankfurt in late evening with fields and smoking chimney in winter
Verantwortlich für den Rückgang ist vor allem ein Auftragsloch im sogenannten sonstigen Fahrzeugbau. Flugzeuge, Schiffe und Militärfahrzeuge verzeichneten ein Minus von 23,1 Prozent. Auch die Autoindustrie (−7,6 Prozent) und Hersteller von Metallerzeugnissen (−12,9 Prozent) verzeichneten deutliche Rückgänge. Einziger Lichtblick: Hersteller von elektrischen Ausrüstungen konnten ein Plus von 23,5 Prozent verbuchen.
Dennoch zeigt sich Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, verhalten optimistisch: «Die Industrie hat ihren Boden gefunden», sagt er der Zeitung Die Welt. Im Quartalsvergleich ergibt sich ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem Jahresanfang. Allerdings dämpfen strukturelle Probleme und neue US-Zölle die Perspektiven. Ab sofort werden Waren aus der EU mit 15 Prozent Aufschlag belegt – eine Belastung für die deutsche Exportwirtschaft.
Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer mahnt zur Vorsicht: «Das ist enttäuschend und passt zum generellen Bild, dass sich die Frühindikatoren nur sehr zögerlich erholen.» Hoffnung macht ihm einzig die Erwartung eines konjunkturellen Impulses durch steigende Staatsausgaben.