Unter den dümmlichen historischen Vergleichen ist der Faschismus-Vorwurf der älteste und einfältigste. Seinen Ursprung hat er in der marxistisch-leninistischen Theorie der zwanziger Jahre, wonach der Faschismus das Endstadium der bürgerlichen Gesellschaft darstelle. Spätere Generation, etwa die 68er, haben daraus messerscharf abgeleitet, dass im Grunde jeder bürgerliche Liberale oder Konservative ein Faschist ist – und entsprechend bekämpft werden muss.
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Die Faschismus-Keule aus dem Sack zu holen, gehört daher zu den unredlichsten und einfallslosesten Methoden in der intellektuellen Auseinandersetzung. Dass ausgerechnet Daniel Kehlmann, also ein Autor, der bisher durch eine gewisse Besonnenheit und Umsicht aufgefallen ist, in einem Interview die USA als Diktatur bezeichnet und den Faschismus am Werk sieht, muss enttäuschen.
Denn selbst wenn man Trump und dessen Migrationspolitik kritisch gegenübersteht, braucht man nicht jahrelang Faschismus-Theorien studiert haben, um sich klarzumachen, dass Trumps Maga-Bewegung mit Faschismus wenig zu tun hat. Diese Diagnose ist unsinnig, geht an der Realität vorbei – und verharmlost den historischen Faschismus erheblich.
Trump ist demokratisch gewählt. Er war Kandidat einer altehrwürdigen demokratischen Partei. Nicht der Präsident, nicht Washington oder das Militär sind in diesen Tagen das Problem. Es ist die Welle aus Gewalt, Plünderungen und Hass auf den Staat und dessen Ordnungskräfte, die sich derzeit in Kalifornien Bahn bricht.
Auslöser dieser Gewaltorgie ist nicht Trump. Es sind Extremisten und Kriminelle, die Autos anzünden, Steine werfen und Geschäfte zerstören. Wer Trump einen Faschisten schimpft, betreibt eine seltsame Umkehr der Tatsachen. Hier werden keine friedliebenden Demonstranten von der Soldateska eines totalitären Regimes niedergeknüppelt. Hier wollen vielmehr Gangs und radikale Gruppen mit Hilfe roher Gewalt die Ordnung der Gesellschaft zerstören und dem Staat ihren Willen aufzwingen. Wenn überhaupt, dann erinnert dieses Verbreiten von Chaos an faschistisches Vorgehen – nicht Donald Trump.