Ein streng vertraulicher Besuch iranischer Nuklearforscher in Russland sorgt für Unruhe bei westlichen Geheimdiensten. Wie die Financial Times berichtet, reiste eine Delegation um den Physiker Ali Kalvand im August 2024 mit diplomatischen Pässen nach Moskau – offiziell im Namen der zivilen Beratungsfirma Damavandtec, die laut US-Sanktionen jedoch als Tarnorganisation für Irans Militärforschungseinheit SPND gilt.
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Die Gruppe besuchte laut Bericht mehrere russische Forschungseinrichtungen, die sogenannte Dual-Use-Technologie entwickeln – also Komponenten, die sowohl zivil als auch für Nuklearwaffenprogramme nutzbar sind. Darunter befanden sich Firmen wie Toriy und BTKVP, die nachweislich mit dem russischen Verteidigungsministerium und dem Militärgeheimdienst GRU kooperieren. Der russische Wissenschaftler Oleg Maslennikow hatte die Gruppe persönlich eingeladen. Seine Firma entwickelt unter anderem leistungsstarke Röntgentechnologie, die zur Simulation nuklearer Implosionen verwendet werden kann.
Brisant: Parallel zur Reise versuchte Kalvand, bei einem russischen Isotopen-Lieferanten radioaktive Materialien zu bestellen – darunter Tritium, ein besonders stark regulierter Stoff, der die Sprengkraft nuklearer Waffen erhöht. Zwar liegt laut FT kein Beleg für eine tatsächliche Lieferung vor, doch schon die Anfrage wertet ein ehemaliger Nato-Waffenkontrollchef als «smoking gun».
Mitglieder der Delegation sind mit Irans früherem Atomwaffenprogramm vernetzt. Der Physiker Sorusch Mohtaschami etwa wurde von Fereidun Abbasi-Dawani betreut – einem engen Vertrauten des 2020 ermordeten Nuklearstrategen Mohsen Fachrisadeh. Beide standen auf UN-Sanktionslisten.
Das iranische Regime betont, das Nuklearprogramm diene ausschliesslich friedlichen Zwecken. Russland nahm zu den Enthüllungen keine Stellung.