Die Farben der isländischen Flagge symbolisieren die Lage der Insel aus Feuer und Eis, umgeben vom rauen Nordatlantik. Lediglich 396.960 Menschen leben auf der zuerst von irischen Mönchen und danach von Wikingern aus Norwegen besiedelten Vulkaninsel. Auch heute glauben Isländer noch an Geister, Elfen und Trolle. Gerade jetzt melden sich überwunden geglaubte böse Geister zurück – als eine Folge der Kriegsbegeisterung der anderen vier skandinavischen Staaten gegenüber Russland. Das stösst Island in eine unliebsame Vergangenheit zurück.
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In Skandinavien waren einst besonders Schweden und Norwegen als Friedensnationen bekannt. Dafür standen Namen wie Olof Palme (Schweden) und Gro Harlem Brundtland (Norwegen). Doch heute zählen diese Länder zusammen mit Finnland und Dänemark zu den fanatischen Unterstützern von Wolodymyr Selenskyj. Die Ukraine wird aus dem Norden mit massiven Waffenlieferungen unterstützt. Norwegen steht zudem unter begründetem Verdacht, sich an der Zerstörung von Nord Stream beteiligt zu haben. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz überraschte die dänische Premierministerin mit der Ankündigung, dass Dänemark seine gesamte Artilleriemunition an die Ukraine spenden werde. In den häufig staatlich subventionierten Medien von Skandinavien herrscht eine zumeist undifferenzierte Einheitsmeinung gegen Russland. Solchem Druck muss sich auch Island als kleinstes skandinavisches Land beugen. Obwohl dieser Staat 1949 ein Mitbegründer der Nato war, besitzt es keine eigene Armee, sondern lediglich eine maritime Küstenwache, die sich in den Fischereikriegen gegen England als sehr schlagkräftig erwiesen hat. Auch gehört Island nicht zur Europäischen Union, ist jedoch durch Handel und als Mitglied der Efta sehr eng mit Europa verbunden.
Während des Kalten Krieges unterhielt die Nato mit der Keflavík Air Base einen intensiv betriebenen Militärstützpunkt nahe der Hauptstadt Reykjavík. Island diente wie ein fester Flugzeugträger als permanente Basis für Aufklärungsflüge mit Marine- und Awacs-Maschinen über dem Nordatlantik. Nach dem Abzug der stationierten US-Truppen im Jahr 2006 reduzierten sich die militärischen Aktivitäten. Auf dem Gelände der Airbase entstand auch ein moderner Flughafen für die Zivilluftfahrt. Heute wird die Keflavík Air Base militärisch noch für das Air Policing von Nato-Mitgliedern periodisch genutzt. Für Manöver landen Kampfflugzeuge mit ihren Einheiten in Keflavík. Die früher noch ständige Präsenz amerikanischer Truppen war in Island ein stets kontrovers diskutiertes Thema. Viele Isländer empfanden das fremde Militär auf der Wikingerinsel als einen Stachel im eigenen Fleisch. Der 1998 verstorbene isländische Schriftsteller und Literaturnobelpreis-Träger Halldór Laxness hat mit «Atomstation» darüber einen vielbeachteten Roman geschrieben.
Anlässlich eines Nato-Treffens im März dieses Jahres erklärte Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, dass Island seine Verteidigungsausgaben erhöhen werde, und versprach 5,4 Millionen Euro zugunsten der Ukraine. Einen Schwerpunkt legt Island auf die Cybersicherheit. Auch ist der Inselstaat damit einverstanden, dass die Keflavík Air Base und die isländischen Häfen wieder vermehrt militärisch genutzt werden. Vereinbart worden ist die erneute Stationierung von «erheblichen Luft- und Seestreitkräften». Doch werde sich Island auch weiterhin nicht direkt an Nato-Operationen beteiligen. Hingegen wolle Reykjavík die humanitäre Unterstützung für die Ukraine um eine zusätzliche Million Euro aufstocken.
Schon bisher hat das nordische Land seine Ausgaben zugunsten der Ukraine verdreifacht und dabei über 3,5 Millionen Euro ausgegeben. Militärisch wird sich Island zusammen mit Litauen an einem Fonds zur Unterstützung der Minenräumung beteiligen und unterstützt finanziell auch ein von Dänemark geleitetes Projekt zur Förderung der ukrainischen Waffenindustrie. Weit abgelegen vom Kriegsschauplatz, wird auch Island in die verheerenden Turbulenzen hineingezogen und massiv zur Kasse gebeten.