Die israelische Armee steht vor der grössten Welle von Dienstverweigerungen seit Jahrzehnten. Über 100.000 Reservisten sollen den weiteren Kriegseinsatz ablehnen. Dies berichten israelische Medien. Offizielle Zahlen wurden bislang nicht veröffentlicht. Vereinzelt wurden Briefe von verweigernden Soldaten, darunter auch Spezialkräfte, öffentlich.
Einer von ihnen ist Michael Ofer Ziv aus Tel Aviv. Gegenüber dem ARD-Studio sagte er: «Wir haben drei Geiseln getötet. Sie hatten weisse Fahnen, riefen auf Hebräisch um Hilfe. Trotzdem wurde entschieden, sie zu erschiessen.» Für ihn sei das ein Wendepunkt gewesen. «Wir sind zu weit gegangen. Wir erlauben uns Dinge, die nicht mehr zu rechtfertigen sind.»
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Die Kritik an der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen fällt deutlich aus. Nur acht Geiseln hätten bislang militärisch befreit werden können, viele seien durch israelische Angriffe oder in Gefangenschaft ums Leben gekommen, hiess es von israelischer Seite. Rund 150 Geiseln seien während Feuerpausen freigelassen worden. Die Verweigerung unter Soldaten habe unterschiedliche Gründe, wie Medien berichten: Erschöpfung, wirtschaftliche Not oder eine grundsätzliche Ablehnung des Kriegsziels.
Die israelische NGO Breaking the Silence berichtet von Aussagen ehemaliger Soldaten, die über Racheaktionen, gezielte Zerstörung und Angriffe auf zivile Infrastruktur sprechen.
Netanjahu sprach zuletzt von einer «lauten Minderheit», die von ausländischen NGOs gesteuert werde.