Israel stellt sich auf eine neue Phase seines Militäreinsatzes im Gazastreifen ein: Rund 60.000 Reservisten sollen in den kommenden Wochen einberufen werden. Ziel ist eine umfassende Bodenoffensive zur Einnahme von Gaza-Stadt, wie ein Sprecher der Armee laut BBC bestätigte. Bereits jetzt operieren israelische Truppen in den Vierteln Zeitoun und Dschabalija. Fünf Divisionen sollen an der geplanten Operation beteiligt sein.
ABIR SULTAN / KEYSTONE
Verteidigungsminister Israel Katz hat den Einsatzplan am Dienstag gebilligt. Das Militär bereitet im Süden Gazas Auffangstrukturen für Zivilisten vor, darunter Feldspitäler und Verteilzentren. Bewohner von Gaza-Stadt werden aufgerufen, sich dorthin in Sicherheit zu bringen. Doch internationale Kritik wächst: Wie BBC berichtet, verurteilen viele von Israels Verbündeten die Offensive. Uno und Hilfswerke warnen vor einer weiteren Eskalation mit «verheerenden humanitären Folgen» nach 22 Monaten Krieg sowie anhaltender Hungersnot und Vertreibung der palästinensischen Zivilbevölkerung.
Währenddessen laufen diplomatische Bemühungen, um die Offensive doch noch zu verhindern. Regionale Vermittler haben einen neuen Vorschlag für eine 60-tägige Feuerpause vorgelegt, der auch die Freilassung von etwa der Hälfte der noch rund fünfzig israelischen Geiseln vorsieht. Die Hamas hat dem Plan laut eigenen Angaben am Montag zugestimmt. Israel reagierte bislang nicht offiziell auf das Angebot. Regierungskreise machten jedoch deutlich, dass man keine Teilabkommen mehr akzeptieren werde. Stattdessen fordert Jerusalem eine umfassende Lösung mit der Freilassung aller Geiseln, von denen laut israelischen Angaben nur noch zwanzig am Leben sind.