Israels Luftschläge auf iranische Nuklearanlagen haben nach Einschätzung von Fachleuten das Atomprogramm des Landes nicht entscheidend geschwächt. Laut Washington Post blieben die tief im Fels verborgenen Anreicherungsanlagen in Natanz und Fordo weitgehend unversehrt. «Israel kann Schlüsselanlagen beschädigen, aber nicht zerstören», erklärte Kelsey Davenport von der Arms Control Association.
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Die Angriffe trafen vor allem oberirdische Infrastruktur und elektrische Anlagen. Zwar seien Teile des Forschungsbetriebs lahmgelegt worden, die eigentlichen Uran-Zentrifugen und die gelagerten Bestände an hochangereichertem Uran blieben jedoch erhalten. Die Internationale Atomenergiebehörde hat ihre Inspektoren abgezogen, was die Überwachung des iranischen Programms vorerst unmöglich macht.
Der frühere Schweizer Botschafter in Teheran, Philippe Welti, sieht die Lage ähnlich. «Die Nukleargefahr des Iran lässt sich nicht einfach wegbombardieren», sagte er im Tages-Anzeiger. «Das Regime hat gelernt, dass es erst unangreifbar ist, wenn es über Atomwaffen verfügt», so Welti. Eine mögliche Folge der israelischen Offensive sei jedoch, dass das Regime seine Fortschritte in der Nukleartechnologie in Zukunft nicht mehr preisgeben wird.