In der internationalen Diplomatie ist Symbolik oft wichtiger als Realität. Denn aus Symbolen erwachsen reale Konsequenzen.
So gesehen hat Friedrich Merz zum Auftakt der Berliner Ukraine-Gespräche einen massiven Fehler begangen, der sehr schwerwiegende Folgen für Deutschland haben kann.
Bei den Verhandlungen zwischen den amerikanischen und den ukrainischen Unterhändlern setzte er sich nicht etwa als Gastgeber an die Stirnseite des Tisches. Nein, er schlug sich buchstäblich auf die Seite der Ukraine – indem er neben deren Vertretern Platz nahm.
GUIDO BERGMANN / GERMAN GOVERNME / KEYSTONE
Deutlicher hätte der Kanzler nicht machen können, dass Berlin unter ihm vollends Partei geworden ist in dem Krieg. Er steht felsenfest hinter Kiew, und Moskau ist der Feind. Nur schiessen tun die Deutschen – noch? – nicht auf die Russen.
Irgendwann wird dieser Krieg enden, irgendwann werden sich alle Beteiligten in Europa mit der neuen Lage arrangieren müssen, irgendwann wird man auch in europäischen Hauptstädten zur Kenntnis nehmen müssen, dass Geografie sich nicht ändern lässt. Russland ist Teil Europas, ein mächtiger und wichtiger Nachbar.
Den Merz ohne Not für Deutschland zum Feind erklärt hat. Ob das langfristig im deutschen Interesse ist, mag er mit sich und seinem Gewissen ausmachen.