Wenn es um Gold geht – wer verliert da nicht schnell den Kopf? Das Edelmetall glitzert nicht nur in den Tresoren, es flackert auch gefährlich in den Augen jener, die Haushaltslöcher stopfen müssen.
Italiens Regierung, angeführt von Giorgia Melonis Fratelli d’Italia, zeigt gerade, wie schnell ein Staat in Versuchung gerät, wenn der Schatz gross genug ist, um Begehrlichkeiten zu wecken: 2450 Tonnen Gold liegen bei der italienischen Nationalbank. Das klingt in den Ohren notorisch klammer Politiker wie der Ruf der Sirenen.
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Die Meloni-Partei will dieses Gold nun «dem Volk» zuschreiben. Ein hübsches Wort: Popolo. Es klingt warm wie ein Sommerabend in Rom. Aber in Wahrheit öffnet es das Scheunentor für eine politische Schatzsuche. Die Bank von Italien solle, so der Plan, das Gold weiterhin verwalten, aber der Eigentumstitel solle beim Volk liegen. Ein semantischer Taschenspielertrick, sagen jene, die sich mit europäischen Verträgen auskennen. Und die EZB nickt heftig: «Das ist keine Bagatelle», mahnt Chefin Christine Lagarde.
Die Deutschen kennen diese Mahnung. Während in Italien das drittmeiste Gold liegt, belegt Deutschland nach den USA und den Goldbesitzern sogar den zweiten Platz. Entsprechend gibt es auch hier Politiker, die kreativ überlegen, was sie mit dem glänzenden Metall alles finanzieren könnten. Ihre Gedankenspiele liefen bislang ins Leere, weil EU-Verträge und die Bundesbank-Gesetzgebung eindeutig sind wie ein scharf geschliffener Krügerrand: Die Zentralbank entscheidet autonom, und der Staat darf nicht einmal im Traum in Richtung Tresor schielen.
Warum das so ist? Weil Gold nicht einfach Geld ist. Es ist ein Symbol für Vertrauenswürdigkeit, ein Fels in der Geldpolitik. Wer ihn der Politik vor die Füsse rollt, riskiert, dass aus dem Fels Kies wird.
Was Melonis Partei vorschlägt, ist gefährlich nah daran, die Unabhängigkeit der Zentralbank zur Verhandlungsmasse zu machen. Heute heisst es: «Das Gold gehört dem Volk.» Morgen könnte es heissen: «Und das Volk braucht gerade Geld.» Politiker wühlen gern im nationalen Tafelgold, wenn in den Kassen Ebbe ist.
Genau deshalb hat die EU eine Architektur geschaffen, die das verhindert: Ja, das Gold gehört natürlich dem Volk – aber die Zentralbank hütet es wie ihren Augapfel. Eigentum ja, Zugriff nein.
Eine Konstruktion wie ein Tresor, dessen Schlüssel absichtlich verlegt wurde. Denn Gold glänzt am hellsten, wenn es unberührt bleibt. Und Europa bleibt am stabilsten, wenn seine Regierungen das Glitzern aushalten, ohne danach zu greifen.