Es ist beileibe nicht nur das Wallis, wo die öffentlichen Zustände verlottern. Im Kanton Zürich gab SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr am Dienstag an einer Medienkonferenz ihrer SP bekannt, dass sie im April 2027 nach zwölfjähriger Amtszeit zurücktreten wird. Sie will sich also als Lame Duck nochmals volle sechzehn Monate durch ihr Amt schleppen. Fehrs Auftritt fiel zeitgenau auf die Medienkonferenz zur Brandkatastrophe in Crans-Montana, an der allerdings zweihundert Journalisten teilnahmen.
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Mit ihrer Langzeit-Rücktrittsankündigung wollte Jacqueline Fehr ihren Regierungskollegen zuvorkommen, von denen ebenfalls ein Verzicht auf eine weitere Amtsdauer erwartet wird. Vor allem aber fand sie die Gelegenheit, der Öffentlichkeit bekanntzugeben, dass sie an der Universität Freiburg eine Ausbildung zur Mediatorin absolviert habe und 2027 eine Firma gründen werde, um Mandate in der politischen Mediation anzunehmen. Ihr künftiges Unternehmen heisse «Das Büro für Lösungen», und dessen Ziel sei es, «für Gemeinden und Institutionen runde Tische zu leiten und Prozesse zu entwirren».
Dass Jacqueline Fehr und die SP den Journalisten nicht gleich noch gedruckte Flyer für diese Firma verteilten, grenzt an ein Wunder. Kein Wunder ist allerdings, dass sich die Magistratin nach ihrem Rücktritt kaum in der Privatwirtschaft zu bewähren gedenkt. Für ihre Mediationen, runden Tische und «Prozess-Entwirrungen» werden die Steuerzahler genauso aufkommen wir für ihre üppige Pension.
Am unverschämtesten ist allerdings, dass sich Jacqueline Fehr als Mitglied der wichtigsten Kantonsregierung mit einem Jahresgehalt von 330.000 Franken, als Verantwortliche eines IT-Debakels, eines skandalösen Datenlecks und mehrerer Gefängnisausbrüche neben ihrem Vollamt eine Zweitausbildung an der Universität Freiburg gegönnt hat.
Unter Zürcher Kantonsparlamentariern ist schon länger ein Thema, dass sie deswegen sogar Regierungssitzungen und offizielle Regierungstermine geschwänzt hat. Die Universität Freiburg ist für «Studenten» ohne Hochschulabschluss wie Jacqueline Fehr seit längerem eine beliebte Adresse für «sozialwissenschaftliche» Soft-Fächer.
Mit Qualitäten als Teamplayerin vermochte die künftige Mediatorin Fehr allerdings auch an ihrer Rücktritts-Medienkonferenz nicht zu punkten. Die kantonale Justizdirektorin, die laut Kantonsverfassung zum Kollegialitätsprinzip verpflichtet wäre, antwortete auf eine Frage nach ihrem Verhältnis zu den Regierungsratskollegen: Dieses sei «situationsabhängig». Ihre sechs Kollegen werden eine solche Antwort mittelmässig zu schätzen wissen.