Drei Pilotsendungen, dann war für das Gesicht hinter der Sendung Schluss. Der NDR wirft Julia Ruhs, Moderatorin des Magazins «Klar», raus. Dem vorausgegangen war ein internes Mobbing und ein Protestschreiben gegen Ruhs, das 250 NDR-Mitarbeiter unterzeichnet haben.
Dabei kommen Moderatorin und Sendekonzept beim Publikum gut an, wie auch die Reaktionen auf den Rauswurf zeigen. «Klar» sollte «Streitfragen aufgreifen, die in der Mitte der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden», so die Beschreibung. Dazu gehörte beispielsweise die Migration.
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Die offene Debatte über heisse Eisen ging einigen aber offenbar zu weit. Anja Reschke, selbst NDR-Journalistin, bezeichnete «Klar» als «ein bisschen rechtsextrem». Jan Böhmermann liess in seinem ZDF-Magazin verlauten, Julia Ruhs nutze die Sendung, um «jede Schweinerei als debattierbares Thema» zu behandeln.
NDR-Intern war Daniel Bröckerhoff der führende Kopf der Protestaktion gegen Ruhs, der auch für das Journalistenkollektiv Correctiv tätig ist. Der Moderator der Nachrichtensendung «NDR Info» hatte kürzlich einen Beitrag verbreitet und später wieder gelöscht, in dem er Konservativen wissenschaftlich nachweisen wollte, nur eingeschränkt zu kritischem Denken fähig zu sein.
Julia Ruhs hat inzwischen auf die Angriffe anderer TV-Leute reagiert. Sie selbst würde niemals sagen: «Man muss Böhmermann verbieten.» Es müsse aber eine «Repräsentierung geben von der anderen politischen Seite».
Wenn das, was Böhmermann mache, «easy möglich» sei, man sich selbst aber «übelste Diffamierungen anhören muss», sei etwas im Ungleichgewicht.