Seit Jahren ist die Schweiz das liebste Auswanderungsziel der Deutschen. Anfang 2024 lebten laut Bundesamt für Statistik rund 323.600 Deutsche im Land – 7600 mehr als im Jahr zuvor und ein Anstieg von 10,7 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts. Trotz anderer Geschichte, anderer politischer Kultur und Mentalität fühlen sich die meisten Zuzüger hier rasch pudelwohl. Die Löhne sind höher, die Steuern tiefer, die Infrastruktur funktioniert – und eine neue Sprache müssen sie ohnehin kaum lernen.
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Viele treten mit erstaunlichem Selbstbewusstsein auf. Zweifel daran, ob sie hier wirklich gebraucht werden, lassen sie selten aufkommen. Und daran dürfte sich auch in Zukunft kaum etwas ändern.
Eine neue Studie unter jungen Deutschen zeigt: Jeder Fünfte plant konkret, die Heimat zu verlassen, vier von zehn können sich vorstellen, auszuwandern. Die Autoren der Studie sprechen von einem «beunruhigenden Trend».
Für die Schweiz ist das eine einfache Rechnung. Während drüben immer mehr wegwollen, wird hierzulande gern aufgenommen, was passt. Umso unverständlicher ist es, dass man sich politisch und gesellschaftlich immer noch so häufig kleinmacht – als müsste man sich für den eigenen Erfolg entschuldigen.
Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein würde uns gut anstehen. Arroganz braucht es keine – aber Demut auch nicht. Wer hier leben und arbeiten will, soll das gern tun. Und wer meint, die Schweiz müsse sich nach ihm richten, der findet in Deutschland genug Nachrücker, die dankbar wären, hier Fuss zu fassen.