Sein Rücktritt wurde als früher Triumph Trumps gewertet. Nach zehn Jahren war bei Justin «pretty boy» Trudeau das Feuer aus. Trump Wahlsieg im November hatte ihm den Rest gegeben.
Trudeaus linksgerichtete Liberal Party stand vor einer düsteren Zukunft. Jetzt führte sein Nachfolger Mark Carney sie zum Sieg. Gemäss Hochrechnungen wird Carney neuer Premierminister Kanadas.
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Möglich gemacht hat das Donald Trump, der Wiedererweckungskünstler scheintoter Linker.
Noch im Januar hatten die Konservativen unter der Führung von «Kanadas Trump» Pierre Poilievre einen Vorsprung in der Wählergunst von mehr als zwanzig Punkten.
Dann kündigte Trump aus Übermut, Provokation oder bitterem Ernst an, Kanada als 51. Bundesstaat der USA zu annektieren. Und er verhängte 25 Prozent Zölle.
Seither verspürt Kanadas Liberal Party Rückenwind.
«Was als Wahlkampf über Veränderungen begann, hat sich schliesslich in einen Wahlkampf über Führung verwandelt», wird Darrell Bricker, Präsident des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, im Wall Street Journal zitiert.
«Poilievre litt unter einer Rhetorik, die der von Trump zu ähnlich war.»
Carney hingegen, der spröde ehemalige Notenbanker und Politneuling, gewann durch Nüchternheit an Format.
Er kündigt an, die Militärausgaben zu erhöhen, um die Kritik der USA zu beschwichtigen. Und er hat klare rote Linien festgelegt: Die Kontrolle über kanadische Ressourcen, die Agrarpolitik und die Souveränität.
Trumps Politik stärkt linksgerichtete Politiker rund um die Welt. Erfolgreich erwecken sie den Eindruck, den Widerstand gegen Trumps Pläne am besten zu verkörpern.
So auch in Australien.
Premierminister Anthony Albanese von der Mitte-links-Labor-Partei stand noch vor kurzem mit abgesägten Hosen da. In Umfragen lag er im Januar deutlich hinter seinem konservativen Gegner Peter Dutton.
Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Nächstes Wochenende wird gewählt. Gemäss Umfragen segelt Trump-Gegner Albanese zum Sieg.