Friedrich Merz hat eine beneidenswert robuste Gesundheit – oder er ist beneidenswert gut privat krankenversichert. Denn vom jämmerlichen Zustand des Gesundheitssystems hat er keine Ahnung.
Im Wahlkampf sah er Abertausende Migranten mit strahlenden Inlays und Implantaten die Zahnarztpraxen verlassen, derweil der deutsche Michel mit offenem Mund zusah. Als Kanzler wettert er nun gegen telefonische Krankschreibungen. Dies öffne dem Missbrauch Tür und Tor.
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Das beweist vor allem: Merz hat lange nicht in einem vollen Wartezimmer gesessen, in dem die Hälfte der Wartenden als schniefende, niesende, hustende Virenschleudern auf ihren gelben Schein wartet. Eine Belastung für den überforderten Hausarzt, eine Gefahr für die anderen Patienten.
Sicher, am Telefon ist leichter flunkern als in persona. Aber die meisten Menschen lassen sich wirklich erst dann krankschreiben, wenn sie auf dem Zahnfleisch kriechen. Und dass die Krankenstände rekordhoch sind, liegt auch am immer brutaleren Arbeitsklima für jene, die hart arbeiten.
Auch davon hat der ehemalige Blackrock-Manager keine Ahnung. Wie sollte er auch.
Aber billige Populistenpunkte sammeln – davon versteht er was.