Diese Sätze wird sie noch lange bereuen. Als die Schweizer Unterhändler positive Signale für einen 10-Prozent-Zolldeal mit den USA hatten, drängte es sie allzu sehr ans Licht der Öffentlichkeit. Und so sagte Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter (FDP) nach einem Telefongespräch mit dem amerikanischen Präsidenten im Sonntagsblick ebenso frohgemut wie selbstgefällig: «Irgendwie habe ich den Zugang, den Ton gefunden.» Um anzufügen: «Das Gespräch hat gut funktioniert.» Donald Trump sei «sehr respektvoll» gewesen. Und er habe gleich eingangs gesagt: «Es ist eine Ehre, mit Ihnen zu sprechen, Frau Präsidentin.»
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Wie wenn Trump das nicht zu allen Gesprächspartnern in einer ähnlichen Position sagen würde. Doch Karin Keller-Sutter vergass auch nicht, ihre Fähigkeiten als Dolmetscherin und Sprachkünstlerin zu unterstreichen: «Man darf nicht dem Irrtum unterliegen, dass Sprache nur ein Instrument ist. Sprache macht eine Kultur, eine Mentalität, eine Geschichte, eine Identität verständlich. Das hilft, zum Gegenüber den Draht zu finden.»
Nachdem Keller-Sutter die Erwartungen dermassen hochgeschraubt hat, sitzt der landesweite Schock nach der Verhängung eines rekordhohen 39-Prozent-Zolls durch Trump umso tiefer. Doch die Bundespräsidentin reichte den Schwarzen Peter im Blick unverzüglich an den Kollegen Guy Parmelin (SVP) und dessen Staatssekretariat für Wirtschaft weiter: «Ich habe nicht verhandelt, das war das Seco.»
Doch der Schaden ist angerichtet. Karin Keller-Sutter kann ihre vorschnellen, vorlauten Aussagen nicht mehr ungesagt machen. Sie steht zweifellos am Tiefpunkt ihrer sorgfältig geplanten, an Erfolgen reichen politischen Laufbahn. Da die Schweizer Politik Bundesratsrücktritte nicht kennt, wird sie die zweite Hälfte ihres Präsidialjahres zwar routiniert zu Ende führen. Aber der sorgfältig aufgetragene Lack ist ab.
Die präsidiale Finanzministerin täte allerdings gut daran, die Qualität ihrer Kommunikationsbeauftragten und PR-Einflüsterer zu überdenken. Denn im Bestreben, die Chefin möglichst gut dastehen und sie hellstmöglich glänzen zu lassen, sind sie in einer noch unsicheren Lage vorgeprescht und haben die Bundespräsidentin zum vorschnellen Interview gedrängt. Damit ja nicht im Falle des Gelingens irgendein anderer Bundesrat hätte glänzen können. Wenn ihre Entourage Keller-Sutter jetzt rät, die unangenehme Sauce des Misslingens einfach einem Kollegen anzuschmieren, ist sie noch einmal ausgesprochen schlecht beraten.