An der polnisch-belarussischen Grenze haben Beamte des Grenzschutzes erneut einen Tunnel unter der Sperranlage entdeckt – bereits der zweite in diesem Jahr. Das teilte Polens Innenminister Marcin Kierwinski mit. Rund 120 illegale Grenzübertritte seien 2025 bereits registriert worden. Tunnel gelten zunehmend als bevorzugte Route von Migranten, um das aufwendig gesicherte Grenzsystem zu umgehen, berichtet der Sender Euronews.
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Unklar ist bislang, wer den Tunnel gegraben hat und ob belarussische Stellen beteiligt waren. Warschau wirft Minsk seit langem vor, illegale Migration gezielt zu fördern. Präsident Alexander Lukaschenko hatte 2021 die Visumvergabe für Drittstaatsangehörige erleichtert und ihnen einen Weg nach Europa in Aussicht gestellt. Viele Migranten sitzen seither zwischen den Grenzen fest – abgewiesen von Polen, nicht aufgenommen von Belarus.
Auch Ungarn kämpft mit ähnlichen Phänomenen. Bereits 2020 berichtete Radio Television Serbia (RTS) von mehreren entdeckten Tunneln an der Grenze zu Serbien. In der Nähe von Morahal stiess die Polizei auf einen 24 Meter langen Schacht. Zuvor waren zwei weitere Tunnel bei Asotthalom (34 Meter) und Csikéria (21,7 Meter) entdeckt worden. Dutzende Migranten und ein Schleuser wurden festgenommen.
Lukaschenko streitet die Vorwürfe ab. «Sie haben sich in die Köpfe gesetzt, dass Belarus schuld an der Migrationskrise sei. Aber wir tragen absolut keine Schuld», zitiert ihn die russische Nachrichtenagentur Tass. Minsk habe der EU beim Grenzschutz geholfen, bis Brüssel Sanktionen verhängt habe: «Wir werden sie [die Migranten] nicht an der Grenze abfangen, wie es vorher der Fall war», so Lukaschenko weiter.
2025 hatte Polen seine gesamte Ostgrenze mit einem elektrischen Zaun gesichert. Die mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Anlage kostete laut Tass rund 136,6 Millionen Dollar.