«Keine Russifizierung»: Kaliningrad soll in Polen nur noch Królewiec heissen. Die Umbenennung trifft einen nostalgischen Nerv
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«Keine Russifizierung»: Kaliningrad soll in Polen nur noch Królewiec heissen. Die Umbenennung trifft einen nostalgischen Nerv

Wer geglaubt hat, bei den Grenzen in Ostmittel- und Osteuropa gebe es keine offenen Rechnungen mehr, sieht sich spätestens seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine eines Besseren belehrt. Eigentlich seit 2014, seit der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland.

Jetzt hat eine polnische Regierungsbehörde ein neues Fass aufgemacht. Die Kommission für die Standardisierung ausländischer Ortsnamen hat festgelegt, dass die russische Oblast Kaliningrad, also die Nordhälfte des ehemaligen deutschen Ostpreussens, in Polen nicht mehr Kaliningrad heissen darf.

MARTIN DIVISEK / KEYSTONE
epa06842751 Local women sit next to the Triumphal column at the Victory square in Kaliningrad, Russia, 26 June 2018
MARTIN DIVISEK / KEYSTONE

Der für den polnischen Sprachgebrauch verbindliche Name lautet künftig Obwód Królewiecki, die Provinz Królewiec. Zur Begründung wird angegeben, der heutige Namensgeber Michail Kalinin, ein Stalin-Gefährte und langjähriges sowjetisches Staatsoberhaupt, sei mitverantwortlich für das Massaker von Katyn, den vieltausendfachen Mord an polnischen Offizieren durch die Sowjetarmee im Mai 1940.

Doch der Name Królewiec symbolisiert eine eigene Vergangenheit. Prusy Królewskie, zu Deutsch auch Polnisch-Preussen, hieß die Landschaft, die vom 15. bis zum 17. Jahrhundert (ebenso wie das benachbarte Herzogtum Preussen) unter der Oberhoheit der polnischen Könige stand.

Die Umbenennung trifft einen nostalgischen Nerv. Ein Jahrhundert nach der Wiedergeburt des nationalen Polens blüht die Erinnerung an die mächtige Rzeczpospolita, die polnisch-litauische Adelsrepublik zu Beginn der Neuzeit. In Lublin, dem Gründungsort dieser einstigen Wahlmonarchie, wurde 2020 das Lublin-Dreieck aus Polen, Litauen und der Ukraine ins Leben gerufen. Erweitert um Belarus, soll es dereinst als Lublin-Viereck firmieren. Seit einigen Jahren ist auch eine militärische Formation einsatzbereit, die 4000 Mann starke Litauisch-Polnisch-Ukrainische Brigade.

Angesichts des neuen polnischen Selbstbewusstseins stösst die russische Propaganda, derzufolge einige Warschauer Politiker auf Teile der Westukraine spitzten, durchaus auf offene Ohren. Die Region ist nervöser, als gemeinhin dargestellt, und das alte «Zwischeneuropa» vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer scheint noch für manche Überraschung gut zu sein.

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