Der Chef der Drogeriemarktkette DM, Christoph Werner, fordert eine offenere Debattenkultur und kritisiert das politische Klima in Deutschland. «Als Unternehmer bin ich Teil der Gesellschaft», sagte Werner im Podcast «Machtspiel» der Neuen Zürcher Zeitung.
Werner, seit 2019 Vorsitzender der Geschäftsführung, plädiert dafür, dass sich Bürger stärker einbringen. «Ich glaube, es ist wichtig, dass sich die Menschen im Lande äussern», so der 53-Jährige. Wahlen seien Ausdruck des Volkswillens: «Wir sind eine liberale Demokratie. Und was wir bei Wahlen sehen, ist Ausdruck des Willens der Wählerinnen und Wähler, und so sollte es auch sein.» Parteien rät er, «sehr genau auf die Bürgerinnen und Bürger zu schauen» statt politische Konkurrenten anzugreifen.
Screenshot ARD
Für Aufsehen sorgte Werner bereits Ende 2025, als er sich gegen eine strikte Abgrenzung zur AfD aussprach und eine inhaltliche Auseinandersetzung forderte. Die Reaktionen im Netz bezeichnet er als orchestriert: «Da hat sich ziemlich schnell gezeigt, dass das eine Kampagne einer aktivistischen Organisation war.» Viele Zuschriften hätten sich später als automatisiert herausgestellt.
Politische Überzeugungen innerhalb des Unternehmens sieht Werner als Privatsache: «Die politische Überzeugung der Kolleginnen und Kollegen bei DM-Drogeriemarkt ist deren Privatangelegenheit.» Bei rund 90.000 Beschäftigten weltweit gebe es bewusst keine Vorgaben.
Auch strukturell fordert Werner Änderungen. Politiker sollten zwingend Berufserfahrung ausserhalb der Politik sammeln: «Dieser Dreiklang von Kreisssaal, Vorlesungssaal, Plenarsaal» müsse um praktische Arbeit ergänzt werden.
Der Bundesregierung stellt er ein kritisches Zeugnis aus: «Was wir beobachten können in Deutschland, ist, dass wir keine wirklichen Zukunftsvisionen in diesem Land haben.» Als Gegenmittel nennt er weniger Bürokratie und mehr unternehmerisches Denken.