Der grosse Banker Oswald Grübel, Ex-CEO von UBS und Credit Suisse, äussert sich im Gespräch mit dem Tages-Anzeiger zum US-Zollhammer, zur drohenden Rezession und zu Donald Trump als Person.
«Ich habe nie jemanden erlebt, der von sich so überzeugt war und es alle spüren liess. Leider in einer frechen, ja beleidigenden Art», erinnert sich der 81-Jährige an Trump, den er in den 1980er Jahren in New York getroffen hatte. Trump habe als Immobilienhändler den Bankern diktiert, was sie zu tun hätten. «Ich sagte: ‹Moment mal, normalerweise sagen wir, was wir wollen, und je nachdem geben wir Ihnen dann Geld.›» Da aber die US-Banken bei Trumps Spiel mitgemacht hätten, habe man sich auch anpassen müssen. «Die USA funktionieren einfach anders, das ist vielen Europäern bis heute nicht klar – da können wir uns noch lange darüber aufregen.»
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Wohin führt die aggressive US-Zollpolitik? Grübel ist sich nicht sicher. Eine Mehrheit der US-Bürger habe Trump gewählt und werde ihm dankbar sein – oder ihn eines Tages verfluchen. Dass ein grosser Teil des Restes der Welt den US-Präsidenten schon heute scharf für seine Strafzölle kritisiert, sieht Oswald Grübel als Gefahr: «Seine Mitarbeiter tragen ihm garantiert alles zusammen, was in Europa über ihn gesagt wird. Ich kenne niemanden, der so nachtragend ist wie Donald Trump.»
Was würde er der Schweiz nun raten nach dem 39-Prozent-Zollhammer? Zunächst solle die Schweiz weiter mit Trump verhandeln. «Wir haben bei diplomatischen Diensten oft mit der US-Regierung zusammengearbeitet – als sie noch neutral war», so Grübel. In wirtschaftlicher Hinsicht kommen düstere Zeiten auf die Welt zu, sollte Trump seine Zollpolitik umsetzen. «Zölle schränken den Handel ein, drücken die Gewinne der Firmen und damit das Wachstum.» Eine globale Rezession sei nicht ausgeschlossen. «Die USA sind wirtschaftlich und militärisch die stärkste Macht der Welt, also können sie machen, was sie wollen.»