Kurz vor ihrem Abflug in die Vereinigten Staaten haben Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Bundesaussenminister Johann Wadephul (CDU) ungewöhnlich scharfe Töne gegenüber Washington angeschlagen. Hintergrund ist die erneute Drohung von US-Präsident Donald Trump, Grönland im Zweifel auch gewaltsam unter amerikanische Kontrolle zu bringen. Beide Minister betonten vor ihrer Reise, dass die territoriale Zukunft der arktischen Insel ausschliesslich in der Zuständigkeit Dänemarks und Grönlands liege.
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Klingbeil, der auf Einladung der USA zu einem Treffen mehrerer Finanzminister reist, stellte klar: «Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über die Zukunft Grönlands zu entscheiden.» Völkerrechtliche Prinzipien wie territoriale Souveränität und Integrität gälten «auch für die Vereinigten Staaten». In der Arktis gehe es nicht um geopolitische Muskelspiele, sondern um Kooperation unter Nato-Partnern.
Wadephul äusserte sich ähnlich deutlich. Zu Bild am Sonntag sagte der CDU-Politiker, dass die jüngsten Äusserungen aus dem Weissen Haus die Souveränität der Insel offen in Frage stellten. Der arktische Raum habe sicherheitspolitisch an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt wegen wachsender russischer und chinesischer Aktivitäten.
In Washington trifft der Aussenminister auf seinen Amtskollegen Marco Rubio. Ziel der Gespräche sei es laut Deutschlandfunk, die sicherheitspolitischen Spannungen innerhalb der NATO zu entschärfen – insbesondere im Nordatlantikraum. Der Fokus liege auf einer abgestimmten Strategie im arktischen Raum, der laut Wadephul zunehmend durch geopolitische Rivalitäten mit Russland und China unter Druck gerät.