Der Königsmord ist, seitdem Shakespeare seinen «Macbeth» geschaffen hat, ein oft gegebenes Schauspiel. Jetzt hat das World Economic Forum das Stück bei sich aufgeführt und seinen Gründer Klaus Schwab gemeuchelt.
Der 87-Jährige ist am Ostersonntag zurückgetreten, nachdem monatelang ein sogenannter Whistleblower gegen ihn mobil gemacht hat. Whistleblower sind Menschen, die aus dem Schutz der Anonymität heraus Wahrheiten oder Lügen über andere verbreiten. Manche machen das mit dem Ziel, Schaden von anderen abzuwenden. Andere machen es mit dem Ziel, jemandem Schaden zuzufügen. Für Schwab ist der Schaden jetzt da.
© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER
Der bislang nicht bewiesene Vorwurf: Schwab und seine Frau sollen sich auf Kosten des WEF bereichert haben. Schwab, der formal nur noch Vorsitzender des geschäftsführenden Stiftungsrats des WEF gewesen ist, trat darauf von dieser Funktion zurück und reichte inzwischen Strafanzeige wegen Verleumdung ein. Einige der Vorwürfe gegen ihn bezeichnet er als «reine Lüge», andere klärt er auf und macht klar, wie sehr er und seine Frau sich in den Dienst ihrer Sache gestellt haben.
Wer hat recht?
Klar ist im Allgemeinen, dass Schwabs WEF eine private, wirtschaftlich höchst erfolgreiche Unternehmung ist, auf der die Weltverantwortlichen für Freiheit, Frieden und Wohlstand miteinander ins Gespräch kommen, was besser ist, als wenn sie es nicht täten.
Klar ist im Besonderen, dass ein internes Untersuchungskomitee, das den schon länger schwärenden Vorwürfen des Whistleblowers nachgegangen ist, bisher nichts Hieb- und Stichfestes zutage gefördert hat. Es gilt also die Unschuldsvermutung.
Schwab ist am Ostersonntag mit seinem Rücktritt dem Rauswurf durch den Stiftungsrat zuvorgekommen und hat unmittelbar vorher keine Möglichkeit mehr zu einer Anhörung bekommen. Klar ist schliesslich, dass es viele gibt, die jetzt scharf sind auf seinen Thron.
Shakespeare jedenfalls lässt grüssen.