Nach den massiven Protesten gegen die Neugründung einer AfD-Jugendorganisation in Giessen Ende November steigt die Zahl der Strafanzeigen deutlich. Wie das Polizeipräsidium Mittelhessen mitteilt, ergibt sich der Anstieg aus der laufenden Auswertung von Bild- und Videomaterial sowie zahlreichen Hinweisen. Eine eigens eingesetzte Arbeitsgruppe analysiert die Daten in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft. Wie die Welt berichtet, ist die Bearbeitung aufgrund des Umfangs äusserst zeitintensiv.
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«Die Prüfung einzelner Vorgänge ist aufgrund der grossen Datenmenge und der erforderlichen Sorgfalt sehr zeitintensiv», erklärte ein Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Ein Ende der Ermittlungen sei derzeit nicht absehbar. Die Zahl der Verfahren werde weiter steigen.
Im Fokus stehen Vorwürfe wie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Beleidigung, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung. Erste Angaben sprechen von einer mittleren zweistelligen Zahl an Verfahren. Auch gegen Polizeibeamte werde ermittelt.
Am 29. November waren laut Polizei rund 25.000 Menschen in Giessen auf die Strasse gegangen, um gegen die Gründung der AfD-Jugend zu demonstrieren. Der Protest verlief grösstenteils friedlich, dennoch kam es zu Zusammenstössen, Blockaden und Verletzten. Über fünfzig Polizisten wurden verletzt. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) verteidigte den massiven Polizeieinsatz mit Verweis auf mögliche Eskalationen. Das Bündnis Widersetzen hingegen wirft den Sicherheitskräften überzogene Gewalt vor.