Seit dem Zweiten Weltkrieg geht die Geschichte so: Grossbritannien ist eine Kolonialmacht und hat die Dritte Welt ausgebeutet. Jetzt kommt einer und sagt das Gegenteil.
Der Unternehmer Sir Jim Ratcliffe behauptet, Grossbritannien sei kolonialisiert und zwar von Migranten. Also genau jenen Leuten, die das Land einst ausgebeutet haben soll.
Der Milliardär Ratcliffe ist Chef der Chemiegruppe Ineos – und damit auch Besitzer der Fussballclubs Manchester United und Lausanne-Sport. Entsprechend gross ist der Aufschrei der Empörung.
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Wer immer sich für politisch korrekt hält, meldet sich zu Wort: Von Fangruppen bis zum Premierminister Keir Starmer persönlich. Sie verlangen von Ratcliffe, dass er seine Behauptung zurücknimmt und sich entschuldigt.
Tatsächlich hat er übertrieben. Grossbritannien ist kein kolonialisiertes Land, zumindest in weiten Teilen nicht. Aber an den Hotspots in den Agglomerationen sind die Zuwanderer in der Überzahl. Sie erinnern grob an die Parallelgesellschaften, in denen die Briten einst in Indien oder Ostafrika lebten – wenn auch in viel geringerer Anzahl.
Wer aus welchen Gründen auch immer in die Fremde zieht, will unter seinesgleichen bleiben. Damals wie heute bestimmen die Zuwanderer in ihren Revieren das wirtschaftliche und politische Geschehen mit: Etwa in Merseyside, in dem Gebiet mit den Grossstädten Manchester und Liverpool. Das ist die Gegend, aus der Ratcliffe kommt.
Der Sturm wird sich legen. Aber an die Feststellung von Ratcliffe werden sich einige erinnern, wenn wieder einmal von Kolonialismus die Rede ist. Damit hat er einiges erreicht, auch wenn die Migration deshalb nicht zurückgehen wird.