Es hätte eine Maturaarbeit über Beat Jans und die Art und Weise, wie der SP-Bundesrat kommuniziert und wirkt, werden sollen. Nebst einem schriftlichen Bericht hat eine Schülerin des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums Rämibühl in Zürich einen Dokumentarfilm gedreht. Wie die NZZ am Mittwoch berichtet, hat Oliver Washington, der Kommunikationschef von Jans, bei der Schülerin interveniert und die Arbeit schwärzen sowie den Film kürzen lassen.
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Weder die Schülerin noch die Schulleitung wollten sich gegenüber der NZZ zu den Vorkommnissen äussern. Die Herausgabe der Arbeit werde verweigert. Auf deren Cover sieht man ein Foto von Beat Jans kurz nach dessen Wahl in den Bundesrat, als er – offensichtlich überrascht – seine Frau und Kinder auf der Besuchertribüne erblickt. «Bundesrat Beat Jans: Authentischer Kommunikator oder kalkulierender Schweiger?» heisst der Titel, der Lust auf mehr macht.
Die Titelseite wird aber mit grossen roten Lettern überschrieben: «Zensierte Ausgabe». Dazu ein Vermerk: «Die schriftliche Arbeit sowie der Dokumentarfilm wurden durch den Rechtsdienst des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements zensiert.» Was die Maturandin aus der Episode lernen wird: Es gibt nichts Spannenderes als Dinge, die unter Verschluss bleiben sollen. Knappe Güter sind wertvoll, verbotene Informationen erst so richtig interessant. Basics der Aufmerksamkeitsökonomie, die auch Jans’ Kommunikationschef kennen sollte.
Wie aus dem Artikel der NZZ hervorgeht, dürften sich Washington und die Schülerin privat gekannt haben. Washington soll ihr unter Zusicherung bestimmter Regeln Einblicke in seine Arbeit als Kommunikationschef gegeben haben. Die Schülerin habe sich indes nicht daran gehalten. «Deshalb habe ich interveniert, was die Veröffentlichung der Arbeit betrifft», wird Washington in der NZZ zitiert. Was genau in der Arbeit steht und ob Bundesrat Jans nun ein «authentischer Kommunikator» oder doch nur ein «kalkulierender Schweiger» ist, wird die Öffentlichkeit nie erfahren. Oder vielleicht doch?